Eltville statt Mali

Weihnachtsgebäck an das Bethanien Kinder- und Jugenddorf

11.01.2021

Wer zu spät kommt – der bereitet womöglich anderen Freude. So jedenfalls verhielt es sich kurz vor Heiligabend mit 200 Päckchen Kokosmakronen und Schokovollkornplätzchen. Die waren ursprünglich zusammen mit weiteren Leckereien für die derzeit in Mali stationierten deutschen Soldatinnen und Soldaten gedacht – als kleine Aufmerksamkeit des Frankfurter Vereins  Hilfe für Helfer. Doch als die weihnachtliche Feldpost schließlich Ende November gen Afrika ging, war das Gebäck nicht dabei – denn die gesponserte Sendung der Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz war wohl im Weihnachtsverkehr stecken geblieben.

Schließlich traf sie aber doch noch bei der Vereinsvorsitzenden Hildegard Becker-Toussaint ein. Spontane Entscheidung: Zusammen mit Vorstandsmitglied Karl-Heinz Reinstädt, Präsident des Hessischen Polizeipräsidiums für Technik (HPT), leitete sie das Gebäck kurzerhand an neue Empfänger weiter, die sich ebenfalls sehr darüber freuten: die jungen Bewohner des  Bethanien Kinder- und Jugenddorfs in Eltville im Rheingau.

 

HPT-Präsident Karl-Heinz Reinstädt (links) übergibt Makronen und Weihnachtsplätzchen an Kinderdorfleiter Thomas Kunz
HPT-Präsident Karl-Heinz Reinstädt (links) übergibt Makronen und Weihnachtsplätzchen an Kinderdorfleiter Thomas Kunz

 Als der HPT-Präsident die süßen Präsente persönlich überreichte, sagte Kinderdorfleiter Thomas Kunz: „Die Polizei hatten wir noch nie auf unserem Gelände.“ Das war zwar halb im Scherz gemeint, hat aber doch einen ernsten Hintergrund. Denn Jugendhilfeprojekte wie dieses haben auch immer wieder mit jungen Leuten zu tun, die auf die schiefe Bahn geraten. In Eltville ist das bislang offensichtlich noch nicht vorgekommen – ein bemerkenswerter Erfolg.

Seit mehr als 60 Jahren schenken die Bethanien-Kinderdörfer Kindern und Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen (Vernachlässigung, Gewalt, Missbrauch) nicht mehr bei ihren leiblichen Familien leben können, ein neues Zuhause in familienähnlicher Atmosphäre. Die Anlage in Eltville gibt es seit 1965, dort werden derzeit rund 100 Kinder und Jugendliche betreut. Herzstück ist die Kinderdorffamilie, eine Lebensgemeinschaft aus Kindern und pädagogisch ausgebildeten Erwachsenen. Für Hilfe für Helfer e. V. eine ungewöhnliche Zielgruppe, denn der Verein unterstützt üblicherweise Polizisten, Feuerwehrleute, Soldaten und Sanitäter, die im Einsatz besonderen Belastungen ausgesetzt sind oder – wie die Soldaten in Mali – „im Ausland den Kopf für uns hinhalten“, wie es die Vorsitzende formuliert.

HPT-Präsident Reinstädt jedenfalls zeigte sich beeindruckt von dem, was das Kinderdorfteam in Eltville leistet. Angesichts dessen war er vielleicht ja gar nicht so unglücklich darüber, dass die Makronen und Plätzchen im Stau gesteckt hatten.

 

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