Auch an Heiligabend ist Dienst

„Hilfe für Helfer“ schickt Weihnachtspäckchen nach Mali

11.01.2021

Weihnachten bei 30 Grad ist nicht für jeden eine Verheißung. Schon gar nicht für die 127 Soldatinnen und Soldaten, die derzeit im Rahmen der „Europäischen Trainingsmission“ (EUTM) im westafrikanischen Mali stationiert sind. Geschuldet ist das weniger der Temperatur als der politischen Situation: Es gibt bewaffnete Konflikte, außerdem machen Islamisten das Land unsicher – und jegliche Feierlichkeiten zum christlichen Weihnachtsfest dürften ihnen ein Dorn im Auge sein. Also heißt es an Heiligabend auch in den Containerboxen der Bundeswehr in Koulikoro rund 60 Kilometer von der malischen Hauptstadt Bamako entfernt: Besinnlichkeit ja – aber mit höchster Wachsamkeit!

Bei der Bescherung werden die Soldaten diesmal nicht nur die Geschenke auspacken, die Familie und Freunde auf die rund 6.000 Kilometer lange Reise geschickt haben. Zusätzlich gibt es nämlich für jeden einzelnen ein Päckchen von  Hilfe für Helfer aus Frankfurt am Main. Der 2016 von der ehemaligen Leitenden Oberstaatsanwältin Hildegard Becker-Toussaint gegründete Verein unterstützt Polizisten, Feuerwehrleute, Soldaten und Sanitäter, die im Einsatz besonderen Belastungen ausgesetzt sind.

 

127 Päckchen im Gesamtwert von 10.000 Euro

Erst einpacken, dann anpacken: Niclas Toussaint (vorne) und PHK Jörg Krasa heben das letzte 30-Kilo-Paket aus dem HPT-Transporter„Mit der diesjährigen Aktion wollen wir zeigen, dass wir trotz der Entfernung jene nicht aus den Augen verlieren, die für uns den Kopf hinhalten“, so Becker-Toussaint. Die 127 Päckchen im Gesamtwert von mehr als 10.000 Euro, die aus Spenden zusammengekommen sind, hat der Verein jüngst in acht großen Paketen zu je rund 30 Kilo stabil verpackt und zum Feldpostamt in die Major-Karl-Plagge-Kaserne nach Pfungstadt bei Darmstadt gebracht. Logistische Unterstützung in Form eines Transportfahrzeugs gab es vom Hessischen Polizeipräsidium für Technik (HPT), dessen Präsident Karl-Heinz Reinstädt selbst Vorstandsmitglied bei „Hilfe für Helfer“ ist. PHK Jörg Krasa von der Behördenleitung im Präsidialbüro, brachte die Ladung sicher zur Kaserne.

 

Vom Feldpostamt in Pfungstadt nach Koulikoro: Niclas Toussaint und Hildegart Becker-Toussaint vom Verein „Hilfe für Helfer“ sowie Hauptfeldwebel Horst Pütz und PHK Jörg Krasa (v. l.) liefern die Weihnachtspakete ein
Vom Feldpostamt in Pfungstadt nach Koulikoro: Niclas Toussaint und Hildegart Becker-Toussaint vom Verein „Hilfe für Helfer“ sowie Hauptfeldwebel Horst Pütz und PHK Jörg Krasa (v. l.) liefern die Weihnachtspakete an.

 

Kleine Geschenke erhalten das Heimatgefühl. Blick in die Feldpospakete: Sonnencremes und Kasten mit Nürnberger ZimtsternenWas wünschen sich Soldatinnen und Soldaten fern der Heimat unterm Weihnachtsbaum? „Genau danach haben wir uns vorab erkundigt, um gezielt Freude zu bereiten“, sagt Becker-Toussaint. Doch es stellte sich heraus, dass die Wünsche in Koulikoro kaum andere sind als in Wiesbaden oder Kassel: Weihnachtsgebäck, Tee, Hausmacher Wurst. Einziger „Exot“ im winterlichen Weihnachtspäckchen: hochwertiger Sonnenschutz, den die Drogerie Kobberger kompetent und besonders preisgünstig überließ – bei täglich zehn Stunden intensiver Sonnenstrahlen in der Savanne ein verständlicher Wunsch. Daneben hat der Verein auf eine „kultursensibles“ Geschenkearrangement geachtet: Aus Respekt vor dem muslimisch geprägten Gastland sucht man Wurstwaren aus Schweinefleisch in den Päckchen vergebens.

 

Ausschließlich aus Hessen

Alle Geschenke stammen übrigens von hessischen Geschäften und Firmen, etwa vom Teehaus Schnorr in Frankfurt oder vom Fleischwarenhersteller Eidmann in Bruchköbel. Hildegard Becker-Toussaint: „Bis alles besorgt und gepackt war, sind schon ein paar Tage ins Land gezogen. Wären die Händler nicht so kooperativ gewesen, hätte es gewiss noch länger gedauert.“ Von den 127 handgeschriebenen Grußkarten ganz zu schweigen.

Und so dürfte die emotionale Wärme, die den Päckchen aus der Heimat entströmt, trotz hochsommerlicher Temperaturen in Mali höchst willkommen sein …


Hintergrund EUTM

Mit ihrer Europäischen Trainingsmission (European Union Training Mission, EUTM) in Mali unterstützt die Europäische Union die malische Regierung dabei, die Sicherheit und Stabilität im Land wiederherzustellen. Darüber hinaus gilt der EU-Einsatz als wesentlicher Faktor für die Stabilisierung der Sahelregion und somit auch für Afrika und Europa. Dieser Auslandseinsatz ist für die Bundeswehr eine reine Ausbildungsmission. Schwerpunkt ihres Missionsbeitrags ist die Pionier-, Logistik- und Infanterieausbildung. Zum Ausbildungspaket gehören auch die Grundsätze moderner Menschenführung sowie ethische und völkerrechtliche Aspekte. Bisher haben rund 13.000 malische Soldatinnen und Soldaten die unterschiedlichen Lehrgänge durchlaufen.