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20.10.2017 | Hessisches Landeskriminalamt

Raubgrabungen und der illegale Handel mit dem Kultur- und Naturerbe

Das Video ist Teil der bundesweiten Kampagne #WirsindPolizei & präsentiert die Arbeit vom Kulturgüterschutz

Schatzsuche am Limes: Hierfür ist eine Genehmigung der hessenARCHÄOLOGIE erforderlich! (Foto: HLKA)Seit Jahrzehnten werden bundesweit denkmalgeschützte Kulturdenkmäler (z. B. Burgen, Siedlungen, Gräberfelder, Schlachtfelder, der Limes usw.) von Schatzsuchern mit Metalldetektoren aufgesucht und in der Hoffnung auf wertvolle Schätze durchwühlt. Zumeist werden weniger wertvolle Gegenstände gefunden, die aber ebenfalls unter Denkmalsschutz stehen.

Die Schatzsuche hat in den vergangenen Jahren an Intensität zugenommen und ist weitestgehend illegal. Sie wird als Raubgrabung bezeichnet. Neben anderen Eingriffen, z. B. Bautätigkeiten, gefährden insbesondere Raugrabungen die Kulturdenkmäler zusätzlich in ihrer Existenz.

In Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und in Thüringen gehören grundsätzlich auch Fossilien zu den geschützten Bodendenkmälern (z. B. die Grube Messel bei Darmstadt) - in Berlin und Sachsen-Anhalt nur im Zusammenhang mit einer archäologischen Fundstätte. Leider werden auch Fossilien immer wieder ohne Genehmigung geborgen.

Die geborgenen „Schätze“, nämlich Waffen, Werkzeuge, Schmuck, Münzen und Dinge des alltäglichen Lebens (Kulturerbe) sowie tierische und pflanzliche Überreste der Erdgeschichte (Naturerbe), werden gesammelt oder gewinnbringend von Privat an Privat, über Museen und/oder den Antiken-/ Fossilienhandel verkauft. Dabei werden sie der wissenschaftlichen Bearbeitung, dem Land Hessen als Eigentümer (Schatzregal) oder dem am Fund eigentumsberechtigten Grundeigentümer (Fundteilung gemäß BGB) und der Öffentlichkeit zumeist vorenthalten.

Ein Beispiel von vielen:

Die bronzene Himmelsscheibe mit Himmelskörper, Schiff und Horizont am Rand (Goldauflagen), zusammen mit Schwertern, Beilen, einem Meißel und Armringen. Die Scheibe diente als Jahreskalender (Quelle: H. Meller, Die Himmelsscheibe von Nebra - ein frühbronzezeitlicher Fund von außergewöhnlicher Bedeutung. Archäologie in Sachsen-Anhalt, 1/02; Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Juroj Lipták)Dass es sich bei Raubgrabungen und dem anschließenden Handel mit dem illegal erlangten Kulturgut um keine Kavaliersdelikte handelt, zeigt der sichergestellte Fund der weltweit einzigartigen sog. „Himmelsscheibe von Nebra" aus der frühen Bronzezeit (um 1.600 v. Chr.) aus Sachsen-Anhalt, der im Jahre 2002 publik wurde:

Die Raubgräber und nachfolgenden Käufer wurden wegen Unterschlagung und Hehlerei des bronzezeitlichen Hortfundes zu empfindlichen Geld- und Freiheitsstrafen sowie zu gemeinnützigen Arbeitsstunden verurteilt. Das Beispiel zeigt, dass neben den Verstößen gegen das Denkmalschutzgesetz auch Straftaten begangen werden. Grund hierfür ist, dass die Bodendenkmäler nicht nur eine wissenschaftliche Bedeutung haben, sondern auch dem Eigentumsrecht unterliegen.

Auch in Hessen kam es in den letzten Jahren zu Ermittlungsverfahren, die mit Geld- und Freiheitsstrafen auf Bewährung endeten.

Am 06. August 2016 trat in Deutschland das Kulturgutschutzgesetz (KGSG) in Kraft. Seitdem besteht ein Verbot für das Inverkehrbringen von Funden aus Raubgrabungen. Der Export archäologischer Gegenstände (älter als 100 Jahre) ins Ausland, hierzu zählen auch Fundmünzen, ist genehmigungspflichtig. Zuwiderhandlungen werden mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet.

Der bis dato durch Raubgrabungen angerichtete finanzielle Schaden geht vermutlich in die Millionen. Bei weitem dramatischer ist jedoch der angerichtete Schaden für die Altertumswissenschaft, denn wer z.B. eine Grabbeigabe entfernt, beseitigt wichtige Informationen zur bestatteten Person, z.B. über deren ursprünglichen sozialen Status. Das undokumentierte Ausgraben und Wegnehmen gleicht dem Entfernen von Beweismitteln an einem Tatort.

Verdacht einer Raubgrabung – was tun?

Kontrolle eines Schatzsuchers, eine Nachforschungsgenehmigung wird ausgehändigt.(Foto: HLKA)Helfen Sie mit, das Zerstören und Ausplündern von Bodendenkmälern zu verhindern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Denkmalpflege können auf Nachfrage eine Nachforschungsgenehmigung vorweisen.

Besteht bei angetroffenen Personen der Verdacht einer Raubgrabung, sollte in jedem Fall die Polizei zur Aufklärung hinzugezogen und gleichzeitig das Landesamt für Denkmalpflege Hessen (hessenARCHÄOLOGIE) informiert werden. Merken Sie sich die Person/en, ihr Verhalten und ggf. zugehörige Kennzeichen zu Kraftfahrzeugen.

Kaufen sie niemals Kulturgüter zweifelhafter Herkunft, z. B. auf Schatzsuchertreffen oder auf Flohmärkten, auf Börsen, im Antikenhandel oder im Internet! Wie beim Arten- und Umweltschutz sollten Sie stets die Legalität der Herkunft prüfen, auch in Ihrem eigenen Interesse (Hehlerei oder Verstöße gegen das Kulturgutschutzgesetz). Ergeben sich Verdachtsmomente, melden sie auch dies bitte umgehend Ihrer Polizei!

Ansprechpartner bei der Polizei:

Hessisches Landeskriminalamt
Zentralstelle Kriminal-/Verkehrsprävention
SG 133 - Kulturgüterschutz

Hölderlinstraße 1-5
65187 Wiesbaden

Tel.: 0611-83-1331
Fax: 0611-83-1305
kulturgueterschutz.hlka@polizei.hessen.de

Ansprechpartner bei der Denkmalpflege:

hessenARCHÄOLOGIE
Schloss Biebrich / Ostflügel
65203 Wiesbaden

Tel.: 0611-6906-131
Fax: 0611-6906-137
wiesbaden.archaeologie@hessen-archaeologie.de


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Illegaler Handel mit Kulturgütern - Terrorfinanzierung