Hessische Polizei - Polizeiautos
 
16.07.2018

Gerüstet im Kampf gegen den Terror

Innenminister Peter Beuth informiert sich an der Polizeiakademie Hessen über die neuesten technischen Innovationen der hessischen Polizei

Innenminister Peter Beuth informiert sich an der Polizeiakademie Hessen über die neuesten technischen Innovationen der hessischen Polizei
Nachdem die Behördenleiter der Polizeiakademie Hessen (HPA), Peter Huth, des Präsidiums für Technik, Logistik und Verwaltung (PTLV), Karl-Heinz Reinstädt, und des Hessischen Bereitschaftspolizeipräsidiums (HBPP), Harald Schneider, alle Gäste willkommen geheißen hatten, moderierte der Erste Polizeihauptkommissar Andreas Schneider (HBPP) durch die Informationsveranstaltung.

Zuerst konnten sich alle Anwesenden durch ein Übungsszenario der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) von der Leistungsfähigkeit der besonders geschulten Beamtinnen und Beamten überzeugen. Im Einsatz gegen terroristische Täter kam auch die neue Bewaffnung zum Tragen und mittels KATWARN (Warnsystem-App) wurde eindrucksvoll eine Warnmeldung mit Verhaltenshinweisen an die im Vorfeld angemeldeten Mobiltelefone der Gäste ausgegeben. Die Voranmeldung war natürlich nur für diese Übungslage notwendig, KATWARN gibt echte Warnungen ohne extra Voranmeldung aus, sobald die App auf dem Smartphone einmalig installiert ist. www.katwarn.de    

Die hessische Polizeifliegerstaffel flog zum Anfertigen von Luftbildern für eine Verkehrsunfallaufnahme diesmal nicht mit dem Hubschrauber über die vom Fachbereich 3 der Polizeiakademie gestellte Unfallstelle, sondern es wurde eine Drohne eingesetzt. Das Live-Bild wurde direkt auf einen Monitor übertragen. Andreas Bruns von der Fliegerstaffel erklärte während des Fluges zu welchem Zweck die Drohne derzeit bereits eingesetzt wird und welche vielfältigen Vorteile die Drohne für die polizeiliche Arbeit bieten kann.

Im weiteren Verlauf der Informationsveranstaltung wurden an verschiedenen Themeninseln, die in zwei zu Mini-Messehallen umfunktionierten Garagen ihren Platz gefunden hatten, ausgewählte Exponate der polizeilichen Ausstattung vorgestellt, welche kontinuierlich verbessert und am technischen Fortschritt ausgerichtet wird.

Weitere Bilder:

So gab es eine Themeninsel „Schutzausrüstung“.

Hier informierten Peter Solz und Werner Sonnabend vom PTLV über die neue Schutzweste mit Stichschutz, den modernen Schnittschutzschal (der nicht als Schutzausstattung erkennbar ist), die Schutzausstattung der Notinterventionsteams (NIT) und ein bundesweit einzigartiges Projekt, die „3 in 1 Jacke“, die mit und für die Polizei für mehr Sicherheit entwickelt wurde. Aktuell befindet sich dieses Bekleidungsstück mit aktiver Beleuchtung (Smart Textiles) im Trageversuch.

An der Themeninsel „Bewaffnung und Body-Cam“ klärte Jürgen Dehn, PTLV, die Besucher über die neue Mitteldistanzwaffe der BFE (Gewehr im Kaliber 5,56 mm x 45 NATO) auf und Yorck von Barfuß, ebenfalls PTLV, stellte die Weiterentwicklung im Zusammenhang mit der Body-Cam vor, bei der kompakte Kamerasysteme im Fokus stehen.

Die Wirkungsweise des Distanzelektroimpulsgeräts (DEIG), auch Taser genannt, welches im Rahmen eines Pilotverfahrens im Einzeldienst beim Überfallkommando des PP FFM und dem 1. Polizeirevier des PPSOH in der Testphase ist, wurde von Andre Winkel und Denis Altvater, PP FFM, erläutert und beeindruckend vorgeführt.

Frank Bernhard und Simon Jens Olschok, PP SH - Verkehrsinspektion, präsentierten an der Themeninsel „Kradwesen“ die Air-Bag-Weste und ein Videostreifen-Krad. Das Polizeipräsidium erprobt zurzeit eine Air-Bag-Weste für Motorradfahrer. Diese wird über der Motorradbekleidung getragen und ist mit dem Motorrad verbunden. Die Weste bläst sich bei einem Sturz mittels einer Kartusche innerhalb von 100 Millisekunden auf und bietet somit zusätzlichen Schutz für Hals, Wirbelsäule und Brustkorb. Anders als beim Airbag im Auto hält die Weste den Luftdruck für mehrere Sekunden stabil, da bei einem klassischen Motorradsturz noch eine Rutschphase folgt. Die Funktionsfähigkeit der Weste wurde an einer Puppe demonstriert.

Weiterhin wurde den verschiedenen Medienvertretern ein aktuell gestartetes Pilotverfahren mit insgesamt sechs zivilen Motorrädern erläutert. Die Videostreifen sind allesamt mit Blaulicht, Martinshorn, Anhaltesignalschrift und einer zusätzlichen GoPro Kamera ausgestattet und sollen insbesondere zur Verkehrsüberwachung der Risikogruppe der motorisierten Zweiradfahrer eingesetzt werden.

Die Besucher konnten sich an einer anderen Themeninsel ein Bild von einem multifunktionalen Streifenwagen machen. Dieser ist unter anderem mit einem integrierten, automatischen Kennzeichenlesesystem, kurz AKLS IN-Car, ausgestattet, welches sowohl im Stand als auch im Fahrbetrieb Kennzeichen erfassen kann. Die potenziellen Einsatzmöglichkeiten wurden von Martin Rehm, Fachbereichsleiter des Fachbereichs 3/Verkehrssicherheit der Polizeiakademie Hessen, anschaulich dargestellt. Ebenfalls sind in diesem Fahrzeug Kameras in und gegen die Fahrtrichtung verbaut. Benjamin Dambeck, PTLV, erläuterte die präventiven und repressiven Wirkungsweisen. Die Kameras können beispielsweise bei Kontrollsituationen, vergleichbar zur Body-Cam, deeskalierend wirken sowie zur Beweissicherung von Verkehrsverstößen im Zusammenhang mit der Rettungsgasse oder bei einer Trunkenheitsfahrt zum Tragen kommen. Bei diesen Systemen handelt es sich jeweils um eine Erprobung zur Erkenntniserlangung der taktischen Einsatzmöglichkeiten und technischen Gegebenheiten. Sie werden aktuell noch nicht im öffentlichen Verkehrsraum eingesetzt.

Eine weitere Themeninsel befasste sich mit der mobilen IT.

Hierbei wurden verschiedene Anwendungen auf mobilen Endgeräten von Mitarbeitern des PTLV und des HLKA vorgestellt.

So informierte Nikolas Herden vom PTLV über den Polizei-Messenger „HePolCHAT“, der plattformübergreifend auf den Standardarbeitsplätzen und mobilen Endgeräten zur Verfügung gestellt wird. HePolCHAT ist über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert und eröffnet neue Möglichkeiten zur Verbesserung der internen Kommunikation. Neben dem neuen Messegerdienst wurde auch die Auskunfts-App vorgestellt. Stefan Janz vom PTLV zeigte hier die Möglichkeit, mobil und ohne Zeitverzug Personen- und Sachauskünfte vor Ort abzufragen.

Über eine moderne IT-unterstützte sicherungstechnische Beratung berichtete Maximilian Otto vom HLKA und zeigte live, wie der Einsatz digitaler Technik und multimedialer Daten die Akzeptanz und den Umsetzungsgrad polizeilicher Empfehlungen erhöhen kann und so die Wohnungseinbruchsschutzberatung erheblich bereichert.

Einer Modernisierung und stetige Weiterentwicklung konnte man auch in der Polizeiuniform sichtlich feststellen.

Dies wurde sehr deutlich von zwei Polizeibeamten dargestellt.

Tobias Bayer, PTLV konnte noch seine eigene vollständige grüne Uniform aus alter Zeit anziehen. Bemerkenswert war, dass sie noch immer passte. Immerhin waren mittlerweile 20 Jahre vergangen.

Nur um einige Neuerungen zu nennen:

Im Laufe der Jahre wurde aus der grünen Uniform eine Blaue, aus einer normalen Streifendiensthose wurde eine spezielle Streifendiensthose mit Seitentaschen entwickelt. Für den Innen- und Außendienst gab es früher normale Halbschuhe, jetzt gibt es Schuhe für den Streifendienst mit verbessertem Schutz. Aus einem einfachen Ledergürtel wurde ein abnehmbarer Funktionsgürtel. Aus einer Unterziehschutzweste wurde eine Schutzweste, die sichtbar über der Kleidung mit taktischer Hülle „Polizei“ getragen werden kann. Außerdem  ist die Schutzweste mit praktischen Taschen versehen, die es ermöglichen z.B. ein Funkgerät (früher analog, heute digital) oder andere Einsatzmittel zu verstauen.

Die Medienvertreter bekamen anschließend die Gelegenheit, sich an allen Themeninseln nochmals eingehend zu informieren, die Exponate in Augenschein zu nehmen und sich bei Bedarf die Funktionsweise erneut demonstrieren zu lassen. Hierzu standen dankenswerterweise weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrem Fachwissen bereit, die alle Fragen geduldig und kompetent beantworten konnten.

Am Ende der Veranstaltung stand Innenminister Beuth der Presse für Fragen zur Verfügung.

„Mit entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen, einer guten personellen sowie materiellen Ausstattung und einem klaren Bekenntnis zur Arbeit unserer Polizistinnen und Polizisten werden wir sie auch künftig weiter stärken“, so Innenminister Peter Beuth.

Presseinformation des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport