„ColdCase“: Verdacht der Tötung eines Säuglings (1999 Büdingen-Vonhausen)

Polizei und Staatsanwaltschaft suchen nach der Mutter von „Sabrina“

08.11.2021


Hohe Beteiligung an Reihenuntersuchung 

Anlässlich des nochmals neu aufgerollten Cold Cases „Sabrina" fand am 6. und 7. November 2021 in einem Ortsteil von Büdingen eine groß angelegte DNA–Probenentnahme statt. Etwa 400 Frauen der in Frage kommenden Personengruppe leben noch heute in der Nähe, weitere knapp 200 sind inzwischen deutschlandweit verzogen. Erstere hatte man postalisch um eine freiwillige Abgabe einer Vergleichsprobe in die Wolfgang–Konrad–Halle gebeten. Die Übrigen wurden bereits beziehungsweise werden zeitnah durch die am neuen Wohnort zuständige Polizei kontaktiert.

Auf Veranlassung von Wetterauer Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Gießen waren zuvor rund 600 Frauen ermittelt worden, die die zugrundeliegenden Kriterien erfüllten. So stammten die weiblichen Probandinnen allesamt aus dem unmittelbaren Umkreis des damaligen Fundortes des toten Säuglings, dem die Ermittler den Namen „Sabrina" gegeben hatten. Außerdem einte sie ihre Altersgruppe: Alle Testteilnehmerinnen waren am 1. April 1999, dem Tage, an dem ein Spaziergänger in der Feldgemarkung zwischen Lorbach und Vonhausen den schrecklichen Fund gemacht hatte, zwischen 13 und 30 Jahre alt. Die entsprechenden Parameter hatte eine aufwändige, beim Hessischen Landeskriminalamt durchgeführte Fallanalyse ergeben. Dank technischen Fortschritts und neuester Untersuchungsmethoden war es Forensikern im Jahre 2019 schließlich gelungen, aus damals asservierten Leberzellen ein vollständiges DNA-Profil des Neugeborenen zu erstellen. So bot dieser genetische Fingerabdruck fortan die Möglichkeit, Sabrinas leibliche Mutter zu identifizieren. Dazu jedoch mangelte es bislang an geeignetem Vergleichsmaterial.

Die Resonanz am vergangenen Wochenende (6. und 7. November 2021) im beschaulichen Büdinger Ortsteil war mit knapp über 75 Prozent sehr erfreulich. 290 freiwillige der insgesamt 384 dorthin eingeladenen Frauen hatten den Weg nach Lorbach zurückgelegt, um durch die Abgabe einer Vergleichsprobe die Ermittler bei ihrer Suche nach der leiblichen Mutter zu unterstützen. So unspektakulär und schnell die eigentliche Probenabgabe auch erledigt gewesen war, so sollte dieser Umstand keinesfalls darüber hinwegtäuschen, welch höchstpersönlichen und immens wichtigen Beitrag jede einzelne Teilnehmerin auf diese Weise dazu geleistet hatte, herauszufinden, warum „Sabrina" vor inzwischen mehr als 22 Jahren sterben musste.

Nun folgt der weitaus aufwändigere Teil. Nachdem auch entsprechende Proben der bereits verzogenen Frauen abgegeben wurden, gilt es, das gewonnene Material mit jenem des toten Mädchens zu vergleichen. Die entsprechende Auswertung werden Spezialisten des Instituts für Rechtsmedizin in Gießen übernehmen. Mit Ergebnissen rechnet man derzeit im ersten Quartal des nächsten Jahres.

Thomas Hauburger, Staatsanwalt und Pressesprecher, Staatsanwaltschaft Gießen
Tobias Kremp, Pressesprecher, Polizeipräsidium Mittelhessen

08.11.2021 | PPMH | Ac


„Cold Case - Sabrina" – Auf der Suche nach der Mutter eines toten Säuglings

Der Fall eines bereits Ende der 90er Jahre im Raum Büdingen tot aufgefundenen Säuglings gibt den Ermittlern bis heute Rätsel auf. Staatsanwaltschaft und Polizei lassen auch nach über 22 Jahren nichts unversucht, die Mutter des Kindes ausfindig zu machen

Am 01. April 1999 war ein Spaziergänger auf einem Feldweg zwischen Büdingen-Vonhausen und Büdingen-Lorbach auf einen in Plastiktüten verpackten Leichnam eines Neugeborenen gestoßen. Trotz umfangreicher Ermittlungen ist es bis heute nicht gelungen, die genauen Umstände des Todes bzw. der Leichenablage sowie die Identität des von den Strafverfolgungsbehörden „Sabrina" genannten Mädchens zweifelsfrei zu klären.

Originalaufnahme der Fundstelle 1999: blauer Müllsack mit dem Leichnam des neugeborenen Mädchens an einem Feldweg zwischen Vonhausen und Lorbach
Fundort des blauen Müllsacks mit dem Leichnam des neugeborenen Mädchens an einem Feldweg zwischen Vonhausen und Lorbach
 

Zur Aufhellung dieser Fragen soll nun eine von Seiten der Staatsanwaltschaft und der Polizei initiierte DNA-Reihenuntersuchung beitragen. Daher werden im Laufe der kommenden Wochen insgesamt etwa 600 Frauen, die zum Zeitpunkt des Leichenfundes zwischen 13 und 30 Jahren alt und damals im Raum Büdingen wohnhaft waren, zur Abgabe einer freiwilligen Speichelprobe gebeten..

 DNA-Test-Kit (zur Entnahme von DNA-Proben mit sterilem Wattetupfer)

Nähere Informationen zum Sachverhalt und zu der am 06. und 07. November 2021 in Lorbach stattfindenden DNA-Reihenuntersuchung sind der  Broschüre zu entnehmen.

Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei in Friedberg
telefonisch unter der Telefonnummer 0611 - 32866 - 3759
oder per Mail an AG-Sabrina-K10-FB.ppmh@polizei.hessen.de entgegen.


Thomas Hauburger, Staatsanwalt und Pressesprecher, Staatsanwaltschaft Gießen
Tobias Kremp, Pressesprecher, Polizeipräsidium Mittelhessen

25.10.2021 | PPMH | Ac.

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