Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
31.10.2016

Auf Streife mit der Autobahnpolizei Mittelhessen

Schnelle Autos, schwere Jungs – nichts für Frauen? "Oh doch!"

Auf Streife mit der Autobahnpolizei

Polizeisprecherin, Sylvia Frech, hat einen Tag lang ein reines „Mädels-Streifenteam“ der Polizeiautobahnstation Mittelhessen auf der Autobahn begleitet.

Ein Unfall jagt den nächsten, eine Kontrolle löst die andere ab. Das alles während der Verkehr mehrspurig vorbeirauscht – kein ganz ungefährlicher Job. Aber einer der Spaß macht, versichern die Kolleginnen.  Logo Autobahn-Nr in Mittelhessen - Polizeistern

Ausschlafen ist nicht

Der Wecker klingelt schon um 5 Uhr – ab geht es direkt an die A5 nach Butzbach, zur  Polizeiautobahnstation Mittelhessen. Für rund 190 km Autobahn sind die Kolleginnen und Kollegen im Schichtdienst hier Tag und Nacht zuständig.

Auf Streife mit der Autobahnpolizei: ... vorab morgens früh im Büro      
Schon früh am Morgen geschäftiges Treiben, Material zusammenpacken, Dienstwagen startklar machen, Vorgänge und Posteingänge sortieren, Übergabe und Absprachen mit dem Nachtdienst.

Die zwei Polizeioberkommissarinnen, Meike und Nicole, sind heute unser Team – Frauenstreife – schon lange keine Seltenheit mehr.


07 Uhr – der erste Einsatz ruft
: Pannenfahrzeug auf der A485 bei Gießen. Kaum dort ist klar, der PKW ist gut gesichert und steht auf dem Standstreifen – keine Zeit zu verweilen, denn die Streife wird schon auf der A 5 kurz vor dem Bad Homburger Kreuz benötigt. Ein langer Weg, auf dem man Meike beim Fahren auch mal schimpfen hört. Sie hat Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet und versucht, durch den dichten Verkehr möglichst schnell voran zu kommen. Mit der Rettungsgasse klappt das glücklicherweise heute ganz gut, aber leider hat es noch nicht jeder verstanden. Es folgt eine Unfallaufnahme, PKW contra LKW.

Zum Glück wurde niemand bei dem Unfall verletzt, doch das Streifenteam wirkt wütend. Warum?

Viele missachten das rote X

Schon weit vor dem Unfall auf dem Standstreifen ist dieser durch die Verkehrsbeeinflussungsanlage durch ein rotes X gesperrt. Trotz allem fahren viele Verkehrsteilnehmer direkt bis hinter den Polizeiwagen, bevor sie sich auf die rechte Spur quetschen. Gefährlich! Für alle Beteiligten.

Auf Streife mit der Autobahnpolizei: Viele missachten das rote X der Verkehrsbeeinflussungsanlage
Irgendwie Dauerthema und Ärgernis, mehr dazu siehe Artikel: "Sieht denn keiner das rote X?"

Das Team macht einige Aufnahmen von Verkehrssündern, die später einen Bußgelbescheid aus Kassel bekommen werden. Doch es bleibt keine Zeit, der nächste Unfall ruft.

Wenn „echte Kerle“ weinen

An der Anschlussstelle Friedberg in Richtung Norden ist ein LKW-Fahrer seinem Vordermann aufgefahren. Eine kleine Unaufmerksamkeit, nachdem er viele, viele Dienstjahre ohne einen Unfall überstanden hat, erklärt er der Streife. Seinen Chef jedoch interessiert reichlich wenig, wie es ihm nach dem Unfall geht, den er unverletzt aber geschockt überstanden hat. Der LKW rollt nicht, verdient damit kein Geld und es fallen Vorwürfe am Telefon – feuchte Augen beim Fahrer sind die Folge und echtes Mitgefühl bei Meike und Nicole, die bereits alle notwendigen Daten gesammelt haben und auf den Abschleppdienst warten. Harte Männer ganz weich – für sie nichts Ungewohntes.

TEAMARBEIT wird auf der Bahn groß geschrieben

Auf der Autobahn läuft nichts ohne eine gute Zusammenarbeit, das merkt der Außenstehende schnell, wenn er die Arbeiten beobachtet. Während die Polizei die erste Absicherung der Unfallstelle übernimmt, notwendige Daten für den Bericht sammelt und viele Verständigungen vornimmt, trifft die Autobahnmeisterei ein und sperrt die betroffenen Fahrstreifen. Auch die Reinigungsarbeiten werden schnell durchgeführt. Kurz darauf trifft schon der verständigte Abschleppdienst ein. Eine andere Streife hat ihm geholfen, durch den langen Stau bis zur Unfallstelle zu kommen, denn nur so kann es weiter gehen. Man kennt sich, hat schon viel Stunden bei unmöglichstem Wetter zu den ungewöhnlichsten Zeiten auf der Autobahn verbracht – so klappt die Arbeit reibungslos.

Auf Streife mit der Autobahnpolizei: TEAMARBEIT zwischen Polizei, Autobahnmeisterei und Abschleppdienst

Durchatmen

Es ist schon 11 Uhr, als die Fahrbahn freigegeben werden kann. Zeit, endlich die Toilette aufzusuchen, einen Happen zu essen und den Computer dabei mit den Daten der Unfälle zu füttern.

Kontrollen, Kontrollen, Kontrollen

Ehe man sich versieht, ist das Frauenteam aber schon wieder auf der Bahn. Es folgt eine LKW-Kontrolle nach der nächsten. Mal sind die Tapeten für den örtlichen Baumarkt geladen, mal der LKW voll mit Altkleidern, die nach Osteuropa unterwegs sind.  Sind die Papiere vollständig? Hält sich der Fahrer an die Ruhezeiten? Ist die Ladung richtig gesichert? Eine Kontrolle kann locker eine Stunde dauern und da haben die Beamtinnen noch nicht einmal gravierende Mängel festgestellt.

Auf Streife mit der Autobahnpolizei: Kontrollen, Kontrollen, Kontrollen     

Auf der Autobahn finden sich alle Nationalitäten, genauso bunt und kreativ ist die Kommunikation von Meike und Nicole mit den Fahrern. Klappt weder Deutsch noch Englisch, dann kommen Hände und Füße zum Einsatz oder sogar die Kreide, etwa um die richtige Methode der Ladungssicherung aufzuzeichnen. Am Ende verstehen sie sich immer und die Fahrer bedanken sich sogar für die Kontrolle. Faszinierend!

Abkürzen zählt nicht

Der Weg zur Kontrolle führt die Streife an eine der Versorgungszufahrten einer Raststätte an der A5. Komisch, wie viele Verkehrsteilnehmer von der Autobahn herunter auf den Parkplatz fahren, das Streifenteam sehen und direkt wieder auf die Autobahn durchstarten. Doch die Beamtinnen wundert das nicht, würden sie nicht hier stehen, würden die Verkehrsteilnehmer verbotener Weise über die Versorgungszufahrten die Autobahn verlassen.

Auf Streife mit der Autobahnpolizei: Versorgungszufahrt einer Raststätte an der A5 mit Verbotsschild: Durchfahrt verboten!

Viele Kontrollen haben sie schon an diesen Stellen durchgeführt – doch das Verwarnungsgeld schreckt nicht jeden ab.

Panne die Zweite

Inzwischen ist es 16.30 Uhr und als "ungewöhnter Beobachter" überkommt einem nach bereits zehn Stunden Dienst bei diesem Tempo die Müdigkeit. Doch dafür ist kein Platz, denn schon wieder steht die Streife auf der A5 in der Nähe der Raststätte Wetterau und muss aufpassen, nicht von dem vorbeifahrenden Verkehr mitgenommen zu werden. Ein polnischer LKW-Fahrer hat einen Getriebeschaden, kommt nicht mehr vom Fleck. Sein Kollege wollte Helfen und hat ihn mit einem Spanngurt von der rechten Spur auf den Standstreifen gezogen. Das Streifenteam schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, das konnte nicht gut gehen. Nun ist der Abschleppdienst verständigt. Es folgt das inzwischen schon gewohnte Bild – Absicherung, Daten aufnehmen.

Wieder was gelernt

Schon wieder quäkt das Funkgerät an Nicoles Schutzweste. Eine vermeintliche Trunkenheitsfahrt wird gemeldet. Wir starten durch. Der hinterherfahrende Zeuge ist leider nicht so sicher, wo er sich eigentlich befindet und so hat sich dieser Auftrag schnell erledigt – zu weit weg. An das Aufsuchen der Dienststelle brauchen die Beamtinnen aber gar nicht zu denken. Von der Wache kommt schon wieder ein Auftrag – Teile auf der Fahrbahn, Richtung Norden auf die A5 geht die Fahrt. Meike fährt plötzlich Schlangenlinien – War in ihrem Wasser etwas Falsches drin? Nein, „Verkehr mitnehmen“ heißt das. Blaulicht an, Leuchtschrift „nicht überholen“ einschalten und den Verkehr, durch Schlangenlinien fahren, verlangsamen. So können die Polizistinnen den Verkehr im Bedarfsfall zum Stehen bringen, um mögliche Fahrzeugteile aufheben und von der Autobahn entsorgen zu können.

Auf Streife mit der Autobahnpolizei: Einsammeln von Fahrzeugteilen auf der Autobahn

Und doch müssen sie eine zweite Runde machen, denn schon wieder kommt die Meldung von der Wache „Teile auf der Fahrbahn“. Und wieder: Fehlalarm. Aber Sicherheit geht vor und Nachschauen ist Pflicht!

Endlich Feierabend

Zwölf Stunden Dienst, zwölf Stunden Power -

Auf Streife mit der Autobahnpolizei

Respekt an das weibliche Streifenteam, Meike und Nicole!

Pressesprecherin Sylvia Frech ist froh, als sie endlich auf der Dienststelle sind. – Kein Job für jeden!

Plakat zu verkehrssicher-in-mittelhessen

 

Weitere Kontrollen finden Sie unter verkehrssicher-in-mittelhessen

Mehr zu dem mittelhessischen Verkehrspräventionsprogramm  2 rote Pfeile hier

 

Ein Bericht mit einem Video zum Artikel auf: Ein Beitrag dazu auf unseren Facebookseiten - mittelhessenpolizei

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