Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
08.07.2015

Manipulation digitaler Tachografen

Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass sich digitale Tachografen durch einen Magnet am Kitas-Geber so beeinflussen lassen, dass der Tacho eine Pause aufzeichnet, obwohl der LKW rollt.

Mit welcher Strafe die findigen LKW-Fahrer rechnen müssen, die eine solche Manipulation durchführen, überrascht dann vielleicht doch noch den ein oder anderen.  

Fahrer, die ein Kraftfahrzeug über 2,8 Tonnen gewerblich nutzen, müssen gewisse Lenk- und Ruhezeit einhalten. Ausreichende Pausen zur Erholung sind wichtig, um die nötige Konzentration und Aufmerksamkeit während der Fahrt aufrecht zu erhalten. So sieht eine Regelung vor, dass gewerbliche Fahrer spätestens nach viereinhalb Stunden eine dreiviertel Stunde Pause einlegen müssen. Ein Müssen, das auch gleichzeitig ein Dürfen ist. Der Druck auf LKW-Fahrer ist oft hoch. Jede Pause, in der der LKW steht, kostet den Fahrzeughalter Geld. Die gesetzliche Vorschrift ermöglicht dem Fahrer daher eine notwendige Pause unter Berufung auf die Gesetze, ohne dass der Chef diese aus Kostengründen einsparen könnte.

digitaler Tachograf
Foto: digitaler Tachograf

Problematisch wird es, wenn der Chef selbst hinter dem Steuer sitzt. So erging es einem Mann, Anfang 50, aus dem Wetteraukreis. Zunächst war er Inhaber einer florierenden Firma, dann ging es immer weiter bergab. Von mehr als 30 Angestellten zu Hochzeiten, blieb am Ende nur noch er als einziger Fahrer übrig. Seine finanziellen Verhältnisse gestalteten sich entsprechend schwierig und so sah er seine Chance in der Manipulation an seinem einzig verbliebenen LKW.

Er verzichtete auf die notwendigen und vorgeschriebenen Pausen und fuhr stundenlang durch, ohne jede Unterbrechung. Um bei einer möglichen polizeilichen Kontrolle nicht aufzufliegen, brachte er Bedarfsweise einen Magneten am sogenannten Kitas-Geber am Getriebe an. Dieser beeinflusste den digitalen Tacho derart, dass er eine Ruhezeit anzeigte, obwohl er tatsächlich fuhr. Eine strafbare Handlung, der sich der Mann durchaus bewusst war, wie er später vor Gericht gestand. Insgesamt 45 Fahrten konnte das Gericht dem Mann nachweisen, in denen er den Magneten zum Einsatz brachte und sich damit dem Fälschen technischer Daten schuldig machte.

Doch damit nicht genug. Als er den Magneten aus Versehen zu Hause vergessen hatte, musste eine andere Lösung her. In vier bewiesenen Fällen tauschte er seine eigene Fahrerkarte gegen die eines Bekannten aus, der dann angeblich fuhr, wenn er Pause machte. Tatsächlich saß aber immer nur er selbst hinter dem Steuer. "Fälschen beweiserheblicher Daten", nennt sich die damit verwirklichte Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden kann.

Eine Gesamtfreiheitsstrafe von 8 Monaten war es denn auch, die das Gericht gegenüber dem Wetterauer wegen seiner Betrügereien und Manipulationen aussprach. Aus verschiedenen Gründen wurde diese zur Bewährung ausgesetzt.

Das Gericht stellte in seinem Urteil fest, dass der Mann nicht nur die eigene Gesundheit, sondern vor allem die Sicherheit aller Straßenverkehrsteilnehmer erheblich gefährdet habe. Die Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Ruhezeiten könne vor allem bei Fahrten mit einem LKW erhebliche Folgen haben.

Inzwischen ist in Neufahrzeugen der Einbau von Kitas-Gebern neuerer Generationen Pflicht, die sich nicht mehr so einfach umgehen lassen. Bis alle Altfahrzeuge aus dem Verkehr sind, werden die Beamten der Verkehrsdienste bei ihren Kontrollen weiterhin auf Manipulationen der digitalen Tachografen achten. Und sie wissen worauf sie achten müssen.Plakat zu verkehrssicher-in-mittelhessen

 

 

Solche Kontrollen gehören auch zum mittelhessischen Verkehrspräventionsprogramm
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