Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
18.06.2015 | Polizei Hessen

Unfallflucht lohnt sich nicht!

Polizeibeamter mit Anhaltekelle

Mit welchem Strafmaß Unfallflüchtige rechnen müssen

„Aber es war doch nur ein Kratzer“ oder „Ich hab doch einen Zettel hinterlassen“. Nur zwei von vielen Aussagen, die Polizeibeamte hören, wenn sie Unfallverursacher nach einer Unfallflucht ermitteln konnten.

Kein Tag vergeht, an dem keine Geschädigten auf den Polizeidienststellen im Wetteraukreis Anzeige erstatten, weil mal wieder jemand nach einem Unfall das Weite gesucht hat. Kein Tag, an dem dann nicht die Pressemeldungen der Polizei von Unfallfluchten berichten, in der Hoffnung doch noch Zeugen zu finden, die Hinweise auf die Unfallverursacher geben können.

Der Grund, warum Verkehrsteilnehmer eine Unfallflucht verursachen, scheint vielfältig. Eine Mischung aus Irrglauben, Unwissenheit, aber auch mangelnder sozialer Verantwortung steht dabei gefühlt im Vordergrund.

Um keine Ausrede verlegen

Wenn sie erwischt werden, dann sind etliche Unfallflüchtige in ihren Vernehmungen um keine Ausrede verlegen. „Ich hab das gar nicht gemerkt“ steht dabei ganz hoch im Kurs. Schlecht nur, wenn ein Sachverständiger später belegen kann, dass der Unfallverursacher den Zusammenstoß bemerkt haben muss. Oft können auch Zeugen sehr eindrücklich schildern, dass der Verursacher mit dieser Aussage lediglich versucht, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Wenn der Fahrer zum Beispiel nach dem Unfall ausgestiegen ist, sich den anderen PKW und seinen eigenen angeschaut hat und dann erst das Weite suchte.

„Es war doch nur ein kleiner Kratzer.“ Ja, zu dieser Einschätzung mag tatsächlich mancher Unfallverursacher gekommen sein, bevor er einfach die Unfallstelle verließ, ohne sich um die Schadensregulierung zu bemühen. Aber dieser Eindruck trügt oft und ist zudem nicht sonderlich befriedigend für den, der auf dem Schaden sitzen bleibt. Die Reparatur selbst kleiner Schäden kostet für heutige Autos schnell mehrere hundert Euro, ohne dass für den Laien überhaupt ersichtlich ist, wofür diese Kosten entstehen. Selbst die Ausbesserung eines Kratzers oder eine gar nicht von außen sichtbare - aber erforderliche - Reparatur einer Stoßstangenhalterung bedeutet daher einen erheblichen finanziellen Aufwand für den Geschädigten.

Und übrigens: Auch wer nicht mit seinem Auto fährt, sondern beim Aussteigen mit der Tür gegen einen daneben geparkten PKW stößt, oder mit dem Einkaufswagen am Fahrzeug eines anderen hängen bleibt, begeht eine Unfallflucht, wenn er sich einfach aus dem Staub macht.

Falsch machen kann man viel, aber:

Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich einen Schaden verursacht habe und der Geschädigte nicht vor Ort ist?

Notruf 110   
Der Gesetzgeber verpflichtet den Unfallverursacher im §34 Straßenverkehrsordnung (StVO) dazu eine angemessene Zeit vor Ort zu warten, bis der Nutzer eines geparkten Fahrzeuges zu seinem PKW zurückkommt und mit ihm die weitere Vorgehensweise besprochen werden kann.

Wie lange diese angemessene Zeit genau ist, wird dabei nicht geregelt. Sollte nach der Wartezeit der Geschädigte nicht vor Ort sein, so ist direkt die Polizei zu verständigen, am besten direkt telefonisch vom Unfallort aus.

Diese muss auch informiert werden, wenn ein Verkehrsschild, ein Stromkasten oder ähnliches angefahren wurde. Es reicht nicht, einen Zettel am beschädigten Auto zu hinterlassen. Auch das stellt eine Unfallflucht dar, denn das Papier könnte wegfliegen, durchnässt werden oder anderweitig abhandenkommen.

Leider sind diese Verhaltensgrundregeln noch nicht für alle Verkehrsteilnehmer eine Selbstverständlichkeit. Wenn der Unfallverursacher sich dann doch einfach aus dem Staub gemacht hat, kommt oft die Polizei ins Spiel. Manchmal lassen sich Unfallfluchten anhand der Spuren klären. In besonderem Maße sind die Ermittler aber auf die Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen und hoffen durch die Pressemeldungen auf Hinweise. Und zum Glück: Die wenigsten Fluchten bleiben unentdeckt. Ein Drittel aller Fluchten in der Wetterau kann geklärt werden. Ein Drittel heißt aber auch – es gibt noch Spielraum nach oben. Noch melden sich nicht alle Zeugen bei der Polizei, um ihre Beobachtungen zu einer Unfallflucht mitzuteilen.

Warum ist es eigentlich so wichtig als Zeuge zur Verfügung zu stehen?

Jeder kann sich vorstellen, wie ärgerlich es ist zu seinem geparkten PKW zurück zu kommen, einen Schaden daran vorzufinden, aber niemanden, der dafür verantwortlich sein will. Zwar zahlen die Versicherungen je nach abgeschlossenem Versicherungsvertrag den durch eine Unfallflucht entstandenen Schaden, sie stufen den Versicherungsnehmer jedoch höher, was einen erheblichen finanziellen Nachteil für diesen bedeutet. Der §142 des Strafgesetzbuches regelt das „Unerlaubte Entfernen vom Unfallort“, das umgangssprachlich schlicht als Unfallflucht bezeichnet wird. Der Gesetzgeber hat diesen Verstoß bewusst als Straftat eingestuft, um die Opfer bestmöglich zu schützen. Wer einen Unfall beobachtet, bei dem der Verursacher einfach weiter fährt, sollte im Sinne seiner Mitmenschen nicht nur einen Zettel mit dem Kennzeichen des Verursachers am PKW hinterlassen, sondern am besten selbst die Polizei informieren. Es geht dabei nicht darum, einen anderen anzuschwärzen. Jeder hat die Chance, sich zu dem Unfall zu bekennen. Dafür hat jeder Fahrzeughalter eine Versicherung, die den Fremdschaden begleicht. Andere dann vorsätzlich auf ihrem Schaden sitzen zu lassen, gehört sich einfach nicht.

Welche Strafe droht flüchtigen Unfallverursachern?

Abschreckend wirken dabei vielleicht auch die Strafen, die Unfallflüchtige von Gericht auferlegt bekamen. Neben Punkten im Fahreignungsregister in Flensburg und einer erheblichen Geldstrafe droht der Entzug der Fahrerlaubnis. In Zeiten, in denen die meisten Verkehrsteilnehmer auf ihren Führerschein angewiesen sind, ein herber Verlust. Zudem nehmen die Versicherungen die Unfallflüchtigen meist in Regress. Das heißt, sie zahlen zunächst zwar den entstandenen Fremdschaden, fordern dann aber eine hohe Geldsumme vom Versicherungsnehmer zurück.

Soweit die Theorie. Um der Strafandrohung ein konkretes Gesicht zu geben und die Folgen einer Unfallflucht noch einmal zu verdeutlichen, finden sich hier ein paar Auszüge aus bereits rechtskräftig gewordenen Strafbefehlen und Urteilen zu Unfallfluchten aus dem Wetteraukreis. Die Taten liegen aufgrund der rechtlichen Vorschriften dabei teilweise schon länger zurück:


  1. Zu 50 Tagessätzen á 20 Euro (1000 Euro) verurteilte das Amtsgericht Büdingen einen Mann aus Gedern, der im August 2013 am Sportplatz in Hirzenhain einen geparkten PKW angefahren und fast 3500 Euro Schaden verursacht hatte. Zudem wurde ihm die Fahrerlaubnis entzogen und eine Sperre von 6 Monaten bis zu einer möglichen Wiedererlangung auferlegt.
       
  2. Einen Schaden von 400 Euro verursachte eine Ober-Mörlerin im November 2014 beim Ausparken in der Friedrichstraße in Bad Nauheim. Sie wurde mit einem Strafbefehl von 15 Tagessätzen á 40 Euro (600 Euro) belegt.
         
  3. Die Unfallflucht nach einem Fehler beim Rückwärtsausparken wurde auch einem Reichelheimer im Juli 2014 in Friedberg zum Verhängnis. Er beschädigte einen auf dem Goetheplatz geparkten PKW. Ein Strafbefehl über 30 Tagessätze á 30 Euro (900 Euro) wurde ihm zugestellt, nachdem er ermittelt werden konnte. Zudem musste er drei Monate auf das Führen jeglicher Kraftfahrzeuge verzichten.
        
  4. Zu den Klassikern bei den Unfallfluchten zählt auch das Abfahren eines Spiegels im Begegnungsverkehr. Ein Reichelsheimer musste nach einem solchen Unfall im August 2014 auf der Landstraße zwischen Dorn-Assenheim und Weckesheim 20 Tagessätze á 40 Euro (800 Euro) Strafe zahlen.
        
  5. Die Fahrerlaubnis bekam eine Wöllstädterin mit einer Sperrfrist von 6 Monaten entzogen, nachdem sie im Juni 2014 beim Rückwärtsausparken im Taunusring in Ober-Wöllstadt etwa 1500 Schaden an einem geparkten PKW verursachte und flüchtete. Weiterhin musste die Frau eine Geldstrafe von 25 Tagessätzen á 25 Euro zahlen.
        
  6. Einen Laternenmast und einen Stromverteilerkasten fuhr ein Friedberger im Februar 2014 um und hinterließ einen Schaden von rund 2500 Euro. Das Amtsgericht Friedberg verurteilte ihn zu 50 Tagessätzen á 25 Euro (1250 Euro) und einer Geldbuße von 100 Euro. Zudem erhielt er für einen Monat ein Fahrverbot.
        
  7. Bei etwa 330 Euro lag der Sachschaden, den ein Florstädter im Januar in der Altenstädter Straße in Florstadt verursachte. Er streifte ein entgegenkommendes Fahrzeug, da er auf die Gegenfahrbahn geriet, um an parkenden Autos vorbeizufahren. Neben einer Geldbuße von 35 Euro verhängte das Amtsgericht Friedberg eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen á 50 Euro (1500 Euro).
       
  8. Eine Geldstrafe von 25 Tagessätzen á 40 Euro (1000 Euro) musste auch ein Windecker bezahlen, der im April 2014 ein Verkehrsschild angefahren hatte und einen Schaden von 500 Euro verursachte.

Die Kosten der Verfahren mussten übrigens alle Unfallflüchtigen selbst bezahlen. Diese können je nach Ermittlungsaufwand und notwendig gewordenen Gutachten stark variieren. Zuzüglich der Regressforderungen der Versicherungen bleibt nur ein Fazit:

Unfallflucht lohnt sich nicht!

Zur Erklärung

  • Die Geldstrafe wird als Rechtsfolge der begangenen Straftat, also der Unfallflucht ausgesprochen. Die Höhe der Tagessätze richtet sich nach dem monatlichen Einkommen der Angeklagten und ihrer entsprechenden regelmäßigen Zahlungsverpflichtungen (z.B. Unterhalt für Kinder). Die Anzahl der Tagessätze richtet sich nach der Schwere der Schuld. Eine Strafe von 30 Tagessätzen á 20 Euro bedeutet also, dass der Unfallflüchtige eine Geldstrafe 600 Euro an die Staatskasse zahlen muss.
       
  • In manchen Fällen wird zudem eine Geldbuße verhängt. Bei dieser handelt es sich um die Ahndung wegen der eigentlichen Unfallverursachung, die auch jeder andere Unfallverursacher nach den festgelegten Sätzen des Ordnungswidrigkeitensrechts erhält. Damit wird zum Beispiel ein Fehler beim Rückwärtsfahren, der Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot oder das Außerachtlassen der Sorgfaltspflicht geahndet.
       
  • Eine Fahrerlaubnis kann einem Unfallflüchtigen nach § 69 des Strafgesetzbuches (StGB) entzogen werden, wenn das Gericht zu dem Schluss kommt, dass der Angeklagte ungeeignet ist, ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr zu führen. Wird die Fahrerlaubnis entzogen, so spricht das Gericht gleichzeitig eine sogenannte Sperrfrist aus, die im § 69 a StGB geregelt ist. In dieser Zeit darf den Verurteilten ihre Fahrerlaubnis nicht neu erteilt werden. Eine solche Sperre kann zwischen sechs Monaten und fünf Jahren liegen. Nach Ablauf kann die Fahrerlaubnis bei der Fahrerlaubnisbehörde neu beantragt werden. Die Neuerteilung kann dabei an erhebliche Voraussetzungen geknüpft werden, zum Beispiel an die erfolgreiche Absolvierung einer Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung (MPU).
       
  • Ist das Gericht der Ansicht, dass eine Sperre von mindestens sechs Monaten unverhältnismäßig ist, so besteht die Möglichkeit ein Fahrverbot auszusprechen. Dann behält der Verurteilte zwar seine Fahrerlaubnis, darf aber zum Beispiel für drei Monate kein Kraftfahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr führen. Sein Führerschein wird in diesem Zeitraum in amtliche Verwahrung genommen.

STOP-Schild

Wir wollen, dass Sie straffrei bleiben!

Hier finden Sie das   Faltblatt Verkehrsunfallflucht (191 KB)