Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
20.06.2013

Ungewöhnliches Gespann auf der A 5 - Fiesta zieht LKW - Anhänger

Autobahn VerkehrszeichenBei strahlendem Sonnenschein, 24 Grad und ruhiger Verkehrslage, überwachte eine Streife der 2 rote Pfeile Polizeiautobahnstation Mittelhessen am Sonntagnachmittag die Verkehrsteilnehmer entlang der Großbaustelle der A 5 zwischen den Anschlussstellen Ober-Mörlen und Friedberg. Zu Beginn der Baustelle stach den Beamten ein Ford Fiesta mit einem LKW-Anhänger für Absetzmulden auf der rechten Spur ins Auge.

"Ein Kleinwagen mit geschätzter Anhängelast von maximal 1000kg mit einem LKW-Anhänger? Da konnte etwas nicht stimmen!",

so ein Streifenbeamter. Das Gespann wurde daher an der Anschlussstelle Bad Nauheim von der A 5 "begleitet", um in der Nähe der Autobahnabfahrt eine Kontrolle durchführen zu können.

Das ungewöhnliches Gespann auf der A 5 - ein Fiesta zieht LKW - Anhänger

Es konnte festgestellt werden, dass der Fahrer den Anhänger samt Aufsetzmulde kurz zuvor erworben hatte. Obendrauf hatte der Verkäufer noch einen hydraulischen Meißel und einen Spreizlöffel beigelegt (Foto unten). Für den Anhänger gab es offenbar noch keine Betriebserlaubnis, so dass der Anhänger mit Kurzzeitkennzeichen an diesem Tag in den Wetteraukreis überführt werden sollte.

Ein vorgelegtes Gutachten besagte, dass der Anhänger ein Leergewicht von 840 Kilogramm und eine zulässiges Gesamtgewicht von 3500 kg hatte. Allerdings war der Anhänger mit Kippmulde, Löffel und Meißel, die geschätzt je 200 kg wiegen, demnach mit ca. 600 Kilogramm beladen. Der Anhänger plus Ladung wurde von den Beamten daher auf etwa 1400 kg geschätzt.

Der Inhalt des überladenen Anhängers mit Kippmulde, Löffel und Meißel

Der Ford Fiesta ("Zugfahrzeug") hatte ein Leergewicht von 1054 Kilogramm sowie ein zulässiges Gesamtgewicht von 1500 Kilogramm und eine eingetragene zulässige Anhängelast von 900 Kilogramm. Geschätzt war die Anhängelast demnach um 600 Kilogramm, also fast 70% überschritten.

Die Polizisten untersagten die Weiterfahret und stellten den Anhänger sicher, um ihn am nächsten Tag mit Spezialgerät zu wiegen. Das Ergebnis war nicht überraschend. Der Anhänger hatte eine tatsächliche Fahrzeugmasse von 1759 Kilogramm. Dies entspricht einer Überschreitung der zulässigen Anhängelast des PKW von 95,4%!

Gemäß Bußgeldkatalog wird diese Überschreitung den Fahrer 235 Euro und 3 Punkte in Flensburg kosten.

Die befestigten beiden Gurte am überladenen Anhänger

Abgesehen von dem Fahrzeuggewicht lag auch ein Verstoß gegen die Ladungssicherungsvorschriften vor, da die geladene Kippmulde inklusive Inhalt (919 Kilogramm) in keine Richtung formschlüssig geladen war und lediglich mit zwei Spanngurten "niedergezurrt" war (Foto oben).
Die Spanngurte hatten keine Vorspannkraft, da sie links wie rechts an den Haltestreben der Schutzbleche befestigt waren. Offenbar fingen die Schutzbleche bereits an, durch die Überbelastung nachzugeben und vom Rahmen abzureißen. Allein wegen der mangelnden Ladungssicherung war an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Auch hier droht ein Bußgeld 50 Euro und 3 Punkte.

Alles in allem kann man sich leicht ausmalen, was mit dem Fiesta passiert wäre, wenn der Fahrer eine stärkere Bremsung hätte machen müssen.

 

2 rote Pfeile weitere kuriose mittelhessische Geschichten aus dem Polizeialtag