Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
21.11.2008

600 Meter Duftzaun gegen Wildunfälle

ADAC Hessen-Thüringen startet Pilotprojekt an der B 454


Verkehrszeichen Wildwechsel auf 200 MeterSchriftzug des ADAC (schwarzerauf gelben Untergrund)Mit dem Pilotprojekt "Duftzaun" versuchen der ADAC Hessen-Thüringen, die Polizei, die Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung sowie Jagdpächter und Hegegemeinschaften, der Vielzahl von Wildunfällen auf der Bundesstraße 454 zwischen Neustadt und Stadtallendorf zu begegnen. Auf 600 Metern verbreiten Duftdepots Gerüche von Bär, Wolf, Luchs und Mensch, den natürlichen Feinden von Rehen, Hirschen und Wildschweinen.

Allein auf diesen 600 Metern gab es
in diesem Jahr bereits 27 Wildunfälle.

"Diese für das Wild übelriechende Barriere irritiert die Tiere und lässt sie verhalten. Das gibt dem Autofahrer die Möglichkeit rechtzeitig zu reagieren", sagte Siegfriede Wetterau, Vorstand des ADAC Hessen-Thüringen für Verkehr, Technik und Umwelt bei der Vorstellung des Projekts am Montag, dem 17. November 2008, im Rathaus in Neustadt.

"Die Präventivmaßnahme ist die einfachste und kostengünstigste Methode, Mensch und Tier zu schützen. Nach Einschätzungen des ADAC lassen sich mit dieser Methode die Wildunfälle um 50 bis 90 Prozent reduzieren", führte Wetterau weiter aus.

Wolfgang Herda vom ADAC Hessen- Thüringen, Verkehrstechnik, stellt die Wirkungsweise des Duftzaunes vorDer ADAC investierte bislang etwa 800 Euro in das Projekt und geht von weiteren etwa 2000 Euro für die nächsten fünf Jahre aus.

Wolfgang Herda vom ADAC Hessen- Thüringen, Verkehrstechnik, hält den Duftzaun für eines der erfolgreichsten und effizientesten Produkte zur Reduzierung von Wildunfällen.

 

Foto links: Wolfgang Herda vom ADAC Hessen- Thüringen, Verkehrstechnik, stellt die Wirkungsweise des Duftzaunes vor


"Die Wirkungsweise des vom ADAC mitentwickelten und europaweit verbreiteten Duftzauns ist wissenschaftlich belegt. Er bringt im Durchschnitt eine Reduzierung von 70 bis 75 %", führte Herda bei der Erläuterung des Aufbaus und der Wirkungsweise dieses Zauns aus.

Der Zaun besteht aus zwei Komponenten, die sich in regelmäßigen kurzen Abständen in zwei Reihen an Bäumen, Sträuchern oder Pfosten befinden.
Siegfried Wetterau, Vorstand für Verkehr, Technik und Umwelt im ADAC Hessen-Thüringen spritzt den Duftschaum an einen Baum, beobachtet von links vom Bürgermeister von Neustadt und Stadtallendorf, Thomas Groll und Manfred Vollmer und Polizeipräsident Manfred SchweizerDer einem Klumpen Bauschaum ähnelnde Träger des Duftstoffes ist für Reh-, Rot-, und Schwarzwild, der niedriger angebrachte Aluträger ist für die übrigen Waldbewohner wie Fuchs oder Dachs. Dieser Zaun greift nicht in die Natur ein. Er fällt baulich eigentlich gar nicht auf. Die Trägersubstanzen sind biologisch abbaubar.

Foto rechts: Siegfried Wetterau, Vorstand für Verkehr, Technik und Umwelt im ADAC Hessen-Thüringen spritzt den Duftschaum an einen Baum, beobachtet von links vom Bürgermeister von Neustadt und Stadtallendorf, Thomas Groll und Manfred Vollmer und Polizeipräsident Manfred Schweizer

Der einem Klumpen Bauschaum ähnelnde Träger des Duftstoffes und der etwas niedriger angebrachte AluträgerDer Wildwechsel selbst ist nicht unterbrochen, sondern nur verzögert. Diese Verzögerung kommt durch die Geruchsstoffe. Dieser irritiert die Tiere und lenkt sie ab. Sie verharren, stehen und sondieren die Lage hinsichtlich der gewitterten Feinde.
Genau diese Zeit reicht dem Autofahrer aus, um zu reagieren, um den Fuß vom Gas zu nehmen, zu bremsen oder zu hupen und so die Kollision zu vermeiden.

Foto links: Der einem Klumpen Bauschaum ähnelnde Träger des Duftstoffes und der etwas niedriger angebrachte Aluträger


Bei den Tieren setzt übrigens kein Gewöhnungsprozess ein. Das ist biologisch nicht möglich.
Trotzdem bedarf der Zaun der regelmäßigen Pflege, denn die Wirkungsweise des Duftes verliert sich nach drei bis vier Monaten.
Diese Pflege übernehmen die Jagdpächter und Hegegemeinschaften aus Stadtallendorf und Neustadt, die bereits an der Errichtung des Zauns maßgeblich mitwirkten.

Die Bürgermeister von Neustadt und Stadtallendorf, Thomas Groll und Manfred Vollmer, bedankten sich für den Einsatz bei der Arbeitsgruppe "Duftzaun B 454", in der neben dem ADAC Hessen-Thüringen, die Polizei, die Städte Neustadt und Stadtallendorf, das Amt für Straßen und Verkehrswesen Marburg, die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Marburg-Biedenkopf sowie die Jagdpächter und die Hegegemeinschaften mitwirkten.

Landrat Robert FischbachLandrat Robert Fischbach (Foto links) und Polizeipräsident Manfred Schweizer (Foto unten) unterstrichen die Bedeutung des Projekts, das im Erfolgsfall volkswirtschaftliche Kosten in sechsstelliger Höhe und menschliches Leid erspart, in ihren kurzen Ansprachen.

Polizeipräsident Manfred Schweizer
Robert Fischbach freute sich angesichts der immer steigenden Wildpopulation und des damit höheren Wildunfallrisikos über die Initiative des ADAC und bedankte sich bei allen Beteiligten für deren herausragendes Engagement.
Mittelhessens Polizeipräsident belegte die Gefahr der Wildunfälle mit ein paar statistischen Zahlen und hob hervor, dass jede Möglichkeit zur Reduzierung von Unfällen genutzt werden muss.

 

"Allein in Mittelhessen gab es von 2006 zu 2007
eine Steigerung von 14 % bei den Wildunfällen.

Statistisch war seit 1. Januar 2006 jeder achte Unfall ein Wildunfall. Dabei verletzten sich 27 Menschen schwer und 110 leicht. Es entstand ein Schaden in Höhe von zehn Millionen Euro. Ich bin überzeugt, dass der Duftzaun in Verbindung mit aufmerksamen Autofahrern zum Erfolg führt und zur Reduzierung von Wildunfällen beiträgt", sagte Manfred Schweizer.

Dietrich Möller, der Präsident des Landesjagdverbandes Hessen, zeigte die Folgen eines Wildunfalls sehr drastisch auf. "Trifft ein Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h auf ein Wildschwein mit einem Gewicht von 100 kg wird das Auto zerlegt", so Möller.

Alle Repräsentanten waren sich einig: "Der Duftzaun ist gut und gibt Hoffnung auf die Reduzierung der Wildunfälle. Ohne den aufmerksamen Autofahrer und seine Mitwirkung bleibt der Erfolg aber aus."

v. l. Dietrich Möller, Thomas Groll, Manfred Schweizer, Siegfried Wetterau und Manfred Vollmer vor dem gemeinsamen Aktionsplakat -Wildwechsel-
v. l. Dietrich Möller (Präsident des Landesjagdverbandes Hessen), Thomas Groll (Bürgermeister von Neustadt, Manfred Schweizer (Polizeipräsident Mittelhessen), Siegfried Wetterau (Vorstand für Verkehr, Technik und Umwelt im ADAC Hessen-Thüringen) und Manfred Vollmer (Bürgermeister Stadtallendorf) vor dem gemeinsamen Aktionsplakat "Wildwechsel"


Weitere Einzelheiten zum Wildwechsel und den Verhaltensweisen stehen in den nachfolgenden Presseinformationen des ADAC Hessen- Thüringen.

2 rote Pfeile Statistik Wildunfälle ADAC von 1975 bis 2006 (PDF, 85 KB)

2 rote Pfeile Pressemeldung des ADAC (PDF, 120 KB)