Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
21.12.2012

„Das war doch selbstverständlich“ – und doch ist es beispielhaft für Andere!

Logo des Polizeipräsidiums MittelhessenDie Vorweihnachtszeit nutzte Polizeipräsident Manfred Schweizer, um sich bei fünf Bürgern zu bedanken, die bei der Aufklärung von Straftaten wesentlich mitgewirkt hatten.

     

  • In einem Fall konnte nach tödlichen Messerstichen der Täter nur kurze Zeit später festgenommen werden.
      
  • In zwei anderen Fällen wurde zum einen ein Handtaschenräuber und zum anderen der Täter eines Überfalls auf einen Juwelier verfolgt und gestellt.

  • Nach einem tödlichen Verkehrsunfall verhinderte ein Autofahrer die Weiterfahrt des alkoholisierten Unfallverursachers und ermöglichte ein schnelles Ermittlungsverfahren.

  • In einem weiteren Fall ließ es ein anderer Autofahrer gar nicht so weit kommen und gab der Polizei auf der Strecke qualifizerte Meldungen über einen betrunkenen Autofahrer mit auffälliger Fahrweise.

Polizeipräsident Manfred Schweizer

 

„Die Polizei ist in vielen Fällen auf die Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen. Wir wünschen uns mehr Bürger, die, so wie Sie, umsichtig auf ihre Umwelt achten und Mitmenschen in Notsituationen couragiert helfen, hob Polizeipräsident Manfred Schweizer (Foto links) das Verhalten der fünf Zeugen unterschiedlicher Vorgänge hevor.


Dieses verantwortungsbewusste Eingreifen sei anerkennenswert und auch ein Handeln für die Allgemeinheit. „Das sei doch selbstverständlich gewesen,“ klang es aus dem Kreise der Belobigten. Und doch sei es ein positives Beispiel auch für andere, sich für ihre Mitmenschen einzusetzen, betonte der Polizeipräsident und erklärte:

„Wir möchten Ihnen, auch stellvertretend für einige andere, für ihr gezeigtes Engagement nochmals unseren Dank aussprechen“.

Bei den unterschiedlichen Fällen wurde die mögliche Bandbreite positiven Handelns deutlich.

Der Hilfsbereitschaft und dem schnellen Handeln von Hansjörg Kaßner aus Gießen sei es maßgeblich zu verdanken, dass es gelang, am 27. August 2012 in Gießen einen Tatverdächtigen nach einem versuchten Raubüberfall auf einen Juwelier festzunehmen. Dadurch konnte die Tat schnell aufgeklärt und der Täter zwischenzeitlich verurteilt werden.
Kaßner war zufällig an dem Nachmittag mit seinem Pkw nach Hause gekommen und dabei fielen ihm auf der Straße zwei Männer auf, die vollkommen ratlos wirkten. Er sprach sie an und erfuhr, dass der eine, ein Juwelier, gerade überfallen worden war. Ohne zu zögern bot er seine Hilfe an und die Verfolgung und gemeinsame Suche des Räubers mit seinem Pkw. Kurze Zeit später entdeckten sie ihn auch. Als dieser seine Verfolger bemerkte, versuchte er noch, sie abzuschütteln, doch durch Kaßners geistesgegenwärtige Fahrweise gab der Täter auf, konnte festgenommen und der Polizei übergeben werden.

Cengiz Birol aus Pohlheim kam gerade aus einem Geschäft im Bereich des Citycenters in Gießen, als er draußen auf einen davon laufenden Mann aufmerksam wurde. Eine ältere Frau lag in der Nähe am Boden. Geistesgegenwärtig fragte er, ob sie überfallen worden sei. Sie bestätigte dies und er rannte dem Flüchtenden ohne zu zögern hinterher. Dieser hatte der 79-Jährigen die Handtasche so vom Arm gezerrt, dass der Halteriemen gerissen und die Frau gestürzt war. Eine weitere Frau aus der Nähe kümmerte sich um die Dame. Cendiz Birol konnte den Mann in einer Dixi-Toilette stellen, als dieser gerade das Geld aus der Tasche nahm. Als Cengiz Birol mit der Polizei telefonierte, flüchtete der Räuber erneut. Diesmal verfolgte ihn Cengiz Birol bis in das Parkhaus Westanlage, wo er ihn endgültig stellen und zwei Bauarbeitern bis zum Eintreffen der Polizei übergeben konnte, um selbst der 79-Jährigen die Handtasche zurückzubringen. Gegen den Festgenommenen wurde Haftbefehl erlassen.

Auch Armin Bolz aus Wißmar, galt der Dank, da seinem schnellen und umsichtigen Handeln die Täterfestnahme und damit auch schnelle Klärung eines Tötungsdeliktes in Wißmar wesentlich zu verdanken war. Der Täter wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Armin Bolz war an dem Vormittag als Handwerker bei einem Kunden. Als er an seinem Firmenfahrzeug stand, hörte er aus der Nachbarschaft eine lautstarke Auseinandersetzung, die in einem lauten Schrei endete. Während sich ein weiterer Mann um die vor der Tür liegende Person kümmerte, verständigte er die Polizei und sah zugleich einen fremden Mann durch das angrenzende Gartengelände wegrennen. Geistesgegenwärtig gab er dessen Beschreibung an die Polizei durch und folgte dem Flüchtenden zu Fuß. Dabei unterrichtete er die Polizei laufend über den Fluchtweg. Aufgrund dessen konnte der Tatverdächtige später im Rahmen der sofort eingeleiteten Fahndung von der Polizei festgenommen werden. Es bestand kein Bezug zwischen dem fremden nichtdeutschen Täter und dem niedergestochenen Opfer.

Dass es bei umsichtigem und schnellem Handeln nicht nur um Kriminalfälle dieser Art gehen muss, sondern auch in anderen Bereichen wichtig ist, zeigen zwei weitere Fälle.

Angelo Schäfer aus Butzbach war Zeuge eines schweren Verkehrsunfalls auf der Kreistraße zwischen der B3 und der Ortschaft Nieder-Weisel.

An dem Montagabend im Mai befuhr er mit seinem Pkw die Kreisstraße und überholte dabei einen Radfahrer, der ordnungsgemäß am rechten Fahrbahnrand fuhr. Im Rückspiegel beobachtete er dann, wie der hinter ihm fahrende Pkw den Radfahrer mit der rechten Fahrzeugseite ungebremst erfasste. Armin Schäfer hielt sein Fahrzeug an und veranlasste auch den unfallbeteiligten Pkw-Fahrer anzuhalten. Dieser war alkoholisiert und bestritt, einen Unfall verursacht oder bemerkt zu haben. Armin Schäfer kümmerte sich zunächst um den abseits der Straße liegenden leblosen Radfahrer, verständigte dann die Polizei und Rettungsdienste und stellte sich als Zeuge zur Verfügung. Der 43-jährige Radfahrer kam bei dem Unfall ums Leben.

Solche Folgen zu verhindern, darum ging es auch Martin Hähnel aus Dillenburg. Beruflich ist er viel auf der Straße unterwegs. Durch sein umsichtiges Verhalten und seine Angaben, konnte die Polizei schnell einen stark alkoholisierten Lkw-Fahrer auf der B49 orten und an der Weiterfahrt hintern. Wie die allgemeine Erfahrung und Fälle, wie der oben genannte in Butzbach, zeigen, ist das Steuern von Fahrzeugen unter Alkoholeinfluss unverantwortlich und kann gefahrvolle und schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Deshalb ist es auch verboten. Oftmals nehmen Autofahrer Ausfallerscheinungen von alkoholisierten Fahrzeugführern wahr, kümmern sich aber weiter nicht darum und schließen die Augen vor den Gefahren und möglichen Folgen. Andere melden einen alkoholisierten Fahrer, oft aber ohne für die Polizei notwendigen Detailangaben. Martin Hähnel verständigte die Polizei, blieb in Fahrzeugnähe und sorgte für aktuelle Informationen, so dass es den Beamten ohne weitere Fahndung möglich war, die Weiterfahrt des stark alkoholisierten LKW-Fahrers zu unterbinden.

Alle fünf erklärten, dass es für sie, ohne in dem Moment groß nachzudenken, selbstverständlich gewesen sei. Sie würden es jederzeit wieder tun.

v.l. Kriminadirektor Michael Janßen, Armin Bolz, Martin Hähnel, Cengiz Birol, Armin Schäfer, Hansjörg Kaßner, Polizeipräsident Manfred Schweizer
Bild oben: v.l. Kriminadirektor Michael Janßen, Armin Bolz, Martin Hähnel, Cengiz Birol, Armin Schäfer, Hansjörg Kaßner, Polizeipräsident Manfred Schweizer