Polizeifahrzeuge vor dem Polizeipräsidium Frankfurt am Main
 

Geschichte

Polizeipräsidium Frankfurt am Main

Der Polizeistern und sein geschichtlicher Ursprung

Viele Dinge und Erscheinungen unseres täglichen Lebens werden oftmals in einer breiten Öffentlichkeit als Gegeben hingenommen, ohne dass man sich darüber weitere Gedanken über deren Ursprung machtDies trifft sicherlich auch auf viele Polizeibeamten zu, die den Polizeistern als Symbol an ihren Mützen tragen und nur wenig von seiner Geschichte wissen.Die Frage nach der Herkunft des Polizeisterns ist auch tatsächlich nicht leicht zu beantworten.Um dem Ursprung dieses Polizeiabzeichens nachzugehen, muss man bis in die preußische Geschichte des 19... Jahrhunderts zurückgehen Hier war es zunächst die preußische Gendarmerie, die den Stern als zusätzliches Helmemblem führte. Bei der Gendarmerie handelte es sich um eine militärisch geführte Polizeitruppe, die im Gegensatz zur preußischen Schutzmannschaft dem Kriegsminister unterstellt war. Sie wurde hauptsächlich in ländlichen Bereichen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung eingesetzt.Mit einer Kabinettsorder von 1895 verlieh Kaiser Wilhelm II den zwölf Gendarmerie-Einheiten einen silbernen Gardestern als zusätzliches Emblem zum Helmadler. Dieser Stern wurde später nach dem I. Weltkrieg in veränderter Form von der preußischen Schutzpolizei und den Landjägern als Abzeichen am Tschako getragen.

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Preußischer Offiziers -Tschako mit Gardestern um 1900

Die Gendarmerie wurde jedoch 1919 nach der Boulogner-Note von den damaligen Alliierten wegen ihrer militärischen Struktur ebenso wie die Sicherheitspolizei verboten. Die Gendarmerie war jetzt in veränderter Form als Teil der allgemeinen Polizei den Innenministern der Länder unterstellt.Außerhalb Preußens wurde ebenfalls in einer etwas abgeänderten Form der Stern als Tschako-Abzeichen getragen. Er entsprach dem Muster früherer Armee-Embleme, die jedoch ebenfalls auf einen preußischen Ursprung zurückzuführen waren.

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Polizei-Tschakos mit Landeswappen nach 1945

Der Stern blieb auch nach dem II. Weltkrieg ein Kennzeichen der Polizei. Durch einen Beschluss der Innenminister der Länder wurde der ehemalige preußische Polizeistern mit dem Zusatz des jeweiligen Landeswappens als einheitliches Mützenabzeichen eingeführt.

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Hessischer Polizeistern

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Bayrischer Polizeistern

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Preußischer Schwarzer Adler

Der Gardestern, der später von der Polizei übernommen wurde, hat eine ältere Geschichte. Der brandenburgische Kurfürst Friedrich III stiftete am Tage seiner Krönung zum preußischen König am 18.Januar 1701 in Königsberg den Schwarzen Adlerorden mit der Inschrift " Suum cuique" (Jedem das Seine.) Dieser Ausspruch war auch die Devise des späteren Königs Friedrich II. In welchem Zusammenhang ist dieser Ausspruch mit dem heutigen Polizeistern zu bewerten? Die vom preußischen König verwendete Maxime stammt ursprünglich aus Ciceros Schrift über die römische Amtsführung " De Officis." und stellt mit seinem Sinngehalt eine Verbindung zum Polizeistern her.. Bei Cicero heißt es:" Justitia in suo cuique tribuende cemitur" (Die Gerechtigkeit erkennt man daran, dass sie jedem das Seine zukommen lässt.) Dieser Spruch regelt sowohl die Rechte der Bürger als auch deren Verpflichtung, das Recht der Gesamtheit zu achten.Dieser Spruch hat in seinem Wesensgehalt noch heute seine Gültigkeit bewahrt. Die gesetzlichen Aufgaben der Polizei werden somit durch den traditionsgebundenen Polizeistern dokumentiert... Für eine demokratische Polizei ist es heute nur schwer nachvollziehbar, das eines ihrer Embleme auf einen in absolutistischer und militärischer Tradition stehenden preußischen Staat zurückzuführen ist. Doch die Preußen galten im 18. Jahrhundert als die Begründer eines modernen Polizeiwesens. Das Allgemeine Preußische Landrecht sowie das Preußische Polizeiverwaltungsgesetz waren auch nach der Reichsgründung von 1871die Grundlagen für den Aufbau eines modernen Polizeiwesens. Es ist daher nahe liegend, dass hier die Quellenforschung und Quellenkritik im alten Preußen ihren Ausgang nehmen mussten.

Kurt Kraus