Luftbildaufnahme der Polizeiakademie Hessen
 
21.06.2016

Auslandsmission im Kosovo

Beamtinnen und Beamte des Special Police Department
„Hallo, ich bin Judith Bertholdt, seit 2009 Angehörige der III. Bereitschaftspolizeiabteilung in Mühlheim am Main und dort in der Fachgruppe Sport als Einsatztrainerin sowohl in der Ausbildung der Studierenden als auch in der Fortbildung der Stammbeamten tätig. Bei einem polizeilichen Auslandspraktikum in 2013 in Miami (USA) habe ich bereits einen Blick über die Grenzen wagen dürfen. Das hat mich motiviert, mich dem Auswahlverfahren für Internationale Polizeimissionen zu stellen.

Nachdem ich das Verfahren erfolgreich absolviert und mehrere Vorbereitungslehrgänge besucht hatte, begann ein Jahr später für mich eine neue, spannende Erfahrung im rund 1200 Kilometer entfernten Kosovo.

Die Stadt Mitrovica, in der ich ein Jahr lebte und arbeitete, ist der größte Konfliktherd im Kosovo. Nach dem dortigen Krieg 1999 wurde die Stadt in einen Südteil mit fast ausschließlich albanischer Bevölkerung (etwa 60000 Einwohner) und einen Nordteil mit überwiegend serbischer Bevölkerung (rund 13000 Einwohner) aufgeteilt. Während in vielen Gegenden des Landes die Menschen mittlerweile friedlich zusammenleben, prallen in dieser Stadt bis heute die Emotionen der beiden Bevölkerungsgruppen unmittelbar aufeinander. Ein friedliches Zusammenleben ohne Hilfe von außen scheint nicht möglich.

Seit vielen Jahren entsendet die Europäische Union daher Sicherheitskräfte aus verschiedenen Bereichen unter anderem nach Mitrovica, die dort für die Mission EULEX tätig sind. Zusammen mit Polizeikollegen aus Deutschland, Tschechien, den Niederlanden, Kroatien, Bulgarien und Österreich gehörte ich dem Special Police Department (SPD) an und arbeitete dort als Einsatzbeamtin in der Supplementary Police Unit (SPU, zusätzliche Polizeieinheit).

Mein Start im Kosovo war ziemlich holprig, da sich die Unterkunftssuche wider Erwarten nicht so einfach gestaltete. So bin ich innerhalb eines Monats dreimal umgezogen, weil sich die Häuser entweder in sehr schlechtem Zustand befanden oder die Lärmkulisse in der Nachbarschaft eines Sägewerkes gerade nach Nachtdiensten unerträglich war. Des Weiteren fing ich mir einen ziemlich hartnäckigen Magen-Darm-Virus ein, der mir die Möglichkeit eröffnete, die EULEX Krankenstation in Pristina von innen kennenzulernen

Weitere Bilder:

Nachdem diese anfänglichen Unwägbarkeiten überstanden waren, fanden meine beiden Mitbewohner und ich Anfang September 2014 glücklicherweise ein passendes Haus. Wir zogen daraufhin in direkte Nachbarschaft von drei weiteren deutschen SPU Kollegen, die wir bereits von den Vorbereitungsseminaren kannten. Dadurch kam nie Langeweile auf, weil man sich in seiner Freizeit zum Sport, Essengehen oder sonstigen Aktivitäten verabredete. Wir konnten uns im albanischen Teil der Stadt, in dem wir auch wohnten, frei bewegen, der Norden (serbischer Teil) war jedoch in unserer Freizeit aus Sicherheitsgründen tabu.

Als SPU-Kräfte hatten wir vorwiegend beobachtende und schützende Funktion. Ausgehend von unserer Basis im albanischen Süden fuhren wir regelmäßig in gepanzerten Fahrzeugen im serbischen Norden Streife. Immer zwei Fahrzeuge gemeinsam, besetzt mit fünf Polizisten und einem Dolmetscher. So unterstützten wir die Kosovo-Polizei in ihrer Aufbauarbeit und fungierten als Sprachrohr zwischen den örtlichen Ordnungskräften und der Bevölkerung.

Zu unseren Aufgaben gehörten auch regelmäßige Fußstreifen im Norden, sowie das Eskortieren von Personentransporten. Außerdem war ich zusammen mit meinen internationalen Kollegen für das Abhalten der Schießtrainings verantwortlich. Der Schießstand war sehr minimalistisch angelegt und bestand aus einer Freifläche, an deren Ende ein aufgeschütteter Erdwall als Geschossfang diente. Ich konnte viele Unterschiede in der Ausbildung der einzelnen Nationen erkennen.

Einmal wöchentlich haben wir innerhalb eines festen Teams taktisches Vorgehen in verschiedenen Situationen und Örtlichkeiten trainiert, was für mich, bedingt durch meine Tätigkeit als Einsatztrainerin auf meiner Heimatdienststelle, sehr interessant war. Die ein oder andere Schramme blieb dabei nicht aus, wie ich am eigenen Leib erfahren musste.

Der Einsatz insgesamt war für mich eine wertvolle Erfahrung, aber auch eine Herausforderung. Da die Missionssprache Englisch ist, alle Berichte, Telefonate und auch die Trainings in englischer Sprache abgehalten werden, bedarf es der intensiven Vorbereitung, insbesondere was das fachspezifische Vokabular betrifft. Die Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen war super, da man auf Streife sehr viel Gelegenheit hatte, sich über die dienstlichen Gepflogenheiten der einzelnen Nationen auszutauschen. Auch lernte man die Leute sehr gut privat kennen, da jeder nach Dienstende mehr oder weniger dieselbe Planung hatte und man sich oft noch zum Abendessen getroffen hat.

Insgesamt hatte ich eine gute Zeit und möchte die Erfahrungen, die ich in dem gesamten Jahr sammeln konnte, sowohl positiv als auch negativ, nicht missen.“

Allgemeine Infos:

Welche Voraussetzungen muss man für die Teilnahme an einer Auslandsmission mitbringen?

Man muss ein polizeiinternes Auswahlverfahren absolvieren. Anschließend gibt es vorbereitende Seminare und Trainings, zugeschnitten auf das Land des Einsatzes, sowie eine intensive Sprach-Ausbildung.

Wie verhält es sich mit den hessischen Kolleginnen und Kollegen aktuell?

Von der Polizei Hessen befinden sich momentan 18 Beamtinnen und Beamte im Auslandseinsatz. Sie sind in den verschiedensten Ländern, unter anderem auch in verschiedenen afrikanischen Staaten, in Afghanistan und im Kosovo. Die Einsatzzeiten dauern in der Regel ein Jahr, für Spezialisten und Führungskräfte auch länger. Zwischendurch hat man regelmäßig Gelegenheit für einen Urlaub zuhause.