Luftbildaufnahme der Polizeiakademie Hessen
 
21.06.2016

Ein Seminar in Kenia

Undine Schneider bei der Vorbereitung des Vortrages
Unsere Kollegin Undine Schneider ist Kriminalbeamtin und Fachlehrerin für Todesermittlungen an der Polizeiakademie Hessen. Im November 2015 war sie zwei Wochen in Kenia in der Trainingschool des Directorate of Criminal Investigations (DCI) in Nairobi, um dort bei der Durchführung eines Seminars zu den Themen „Leichensachbearbeitung und Ermittlungen bei Tötungsdelikten – Post Mortem Case Work“ mitzuwirken.

Im Folgenden berichtet sie über ihren Aufenthalt in dem afrikanischen Land:

„Seit 2011 führt das Bundeskriminalamt zusammen mit dem Auswärtigen Amt Ausbildungs- und Ausstattungsprojekte in den Ländern Kenia, Tansania und Uganda durch. Das BKA bat um Unterstützung durch die Polizei Hessen bei der Durchführung dieses multinationalen Seminars. Zum interdisziplinären „Team Hessen“ gehörten außer mir noch unser Kollege Henning vom Polizeipräsidium Frankfurt am Main und Dr. Stefan Potente - Institut für Rechtsmedizin Frankfurt am Main.

Die 16 Seminarteilnehmer stammten aus Kenia, Uganda und Tansania, 11 Polizisten und 2 Polizistinnen sowie 3 Rechtsmediziner.

Das Seminar hatte folgende Inhalte:

  • Sofortmaßnahmen bei Leichensachen u. Tötungsdelikten / Verhaltensgrundsätze
  • Beweissicherung im Ersten Angriff
  • Ermittlungen / Aktenführung, Rechts- und Verwaltungsvorschriften
  • Vernehmung
  • SoKo/AG
  • Natürlicher – nicht natürlicher Tod
  • Leichenerscheinungen/Todeszeitbestimmung
  • Gewaltformen im rechtsmedizinischen Sinne
  • Teilnahme an einer praktischen Leichenschau
  • Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft
  • Überbringen von Todesnachricht, Umgang mit psychischen Belastungen

Die Vorträge wurden durchweg auf Englisch gehalten, dies ermöglichte uns einen unmittelbaren Austausch mit den Seminarteilnehmern, Probleme in der Arbeit und unterschiedliche Sichtweisen konnten diskutiert werden. So sorgte beispielsweise die Erklärung des deutschen Strafmaßes bei den ostafrikanischen Teilnehmern/Innen für Verwunderung bis Belustigung.

Ein Seminar-Highlight war die Exkursion zur Rechtsmedizin in Nairobi. Die von der Rechtsmedizin genutzten Räumlichkeiten des Kenyata-Hospital verfügen über optimale Licht,- Luft- und Platzverhältnisse. Durch diese Rahmenbedingungen konnte der nicht einfache Programmpunkt Leichenschau und Obduktion unproblematisch umgesetzt werden.

Das Seminar war geprägt von einem Austausch auf Augenhöhe und positivem Lernklima, das auch den Rahmen für kritische und konträre Diskussionen bot.

Weitere Bilder:

Eine Fortbildungsmaßnahme in einem fremden Land in Englisch auszurichten war eine echte Herausforderung und eine besondere Erfahrung, definitiv kein Urlaub. Allerdings hatten wir zwischen den 10 Tagen Seminar zwei Tage frei, die wir samstags zum Ausflug an den Lake Nakuru zusammen mit den Seminarteilnehmern und am Sonntag zum Ausflug zu dritt mit einem Fahrer zum Elephant Orphanage und bummeln in Nairobi genutzt haben. Michael, unser Fahrer, manövrierte uns hervorragend durch das allgegenwärtige Verkehrschaos von Nairobi. Rote Ampeln sind nur eine Option, aus 2 Fahrstreifen macht man gerne 4 und überall sind die Matatus, grellbunte Busse mit lauter Musik als privatorganisierter Bustransfer. Gehupt wird aber auffallend wenig;-)

Die Verabschiedung am Ende des Seminars war ausgesprochen herzlich und machte es nicht einfach, wieder abzureisen. Wir als Referenten-Team waren uns einig, dass dies ein gutes Projekt ist und weitergeführt werden sollte.

Mein persönliches Fazit ist, dass ich den Wohlstand unseres Landes und die Rahmenbedingungen meiner Arbeit wieder mit anderen Augen sehe - Armut hat in Afrika eine andere Dimension, das gewaltsame Beenden eines Menschenlebens eine andere Bedeutung und Polizist zu sein ist nicht zwangsläufig eine finanzielle Grundlage zum Lebensunterhalt.

Bei dem Blick über den „nationalen Tellerrand“ wurde mir jedoch zusätzlich wieder bewusst, auch wenn die Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind, das Herz des kriminalpolizeilichen Handwerkes sind Engagement und Kreativität!“