Lufbildaufnahme des hessischen Bereitschaftspolizeipräsidiums
 
11.12.2017

Ein Tag mit der Polizeireiterstaffel

- Ein Blick hinter die Kulissen -

Oftmals werden die Reiter und Reiterinnen bei Einsätzen und auf Streife durch Bürger und Kollegen angesprochen, was sie doch für einen tollen Job haben und dass das eine gute Möglichkeit sei, das Hobby zum Beruf zu machen.

Doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt schnell, dass es sich um eine verantwortungsvolle, körperlich fordernde Aufgabe handelt, die bei weitem nichts mit Hobbytätigkeit zu tun hat.

Den meisten ist nicht bewusst, welche Arbeit vor und nach einem Einsatz dahinter steht. Unbeachtet bleibt oft auch der Aspekt, dass die Polizeireiterinnen und -reiter bei nahezu jedem Wetter draußen unterwegs sind. Nur wenn es gar nicht anders geht, zum Beispiel bei Gewitter oder aufstollendem Schnee (Schnee verklebt sich in den Hufen und bildet einen Klumpen) bleiben die Pferde im Stall oder müssen auf den Hänger verlegen. Eine Streife bei milden Sommertemperaturen ist sicherlich angenehm aber bei großer Hitze, strömendem Regen und knackigen Minustemperaturen bietet der Dienst im Funkstreifenwagen seine Vorteile.

Auch die vielfältigen Einsatzörtlichkeiten und -anlässe haben ihre Besonderheiten. So erfordern Fußballeinsätze, Demonstrationslagen, Innenstadtstreifen und Faschingsumzüge ein höchstes Maß an Aufmerksamkeit, Umsicht und vorausschauendem Denken.

Der Arbeitstag beginnt je nach Einsatz meistens früh morgens. Nach der IZEMA Anmeldung fängt dann auch schon die Zeit an zu laufen. Den Reiter/innen wird arbeitszeitmäßig eine Rüstzeit von einer  Stunde und 15 Minuten gewährt, in der alle Vorbereitungen getätigt  werden und  Abfahrtbereitschaft hergestellt werden muss.

Die Arbeit fängt  zunächst im Stall an. Zwar hat die Polizeireiterstaffel drei Pferdepflegerinnen  aber vor dem Einsatz ist jede/r Beamte/Beamtin für sein Dienstpferd selbst  verantwortlich. Dazu gehört, dass erst die  Pferdebox gemistet wird, damit diese nach dem Einsatz sauber zur Verfügung steht. Nach dem Misten muss das Dienstpferd geputzt  werden. Dieses wird dann bis zu Abfahrt nochmal in seine Box gestellt. In der Zwischenzeit werden die Sättel mit Satteldecken, -gurt und Sattelsystemen (Tragevorrichtung für Einsatzhelm) verschnallt und die Schlagstockhalterung befestigt. Die Trensen werden mit Nasenplatten und Visieren zum Schutz der Pferde gegen Wurfgegenstände versehen. Zur Schonung der Beine werden Gamaschen bereitgelegt, die an den Fesseln der Pferde getragen werden, um auch vor Verletzungen durch äußere Einwirkungen zu schützen.

Nicht zuletzt wird die Einsatzverpflegung der Dienstpferde in Form von Hafer und Pellets -individuell abgestimmt  für jedes Pferd- in Futtersäcke verpackt und Trinkwasser in 20 Liter Kanistern zum Mitnehmen abgefüllt.

Hiernach werden die Fahrzeuge geholt und die Pferdeanhänger angehängt. Dann geht es zur Beladung der Fahrzeuge und Transporter. Die sperrigen Sättel, Trensen und Futtermittel werden in die Sattelkammern der Anhänger geladen. Dies gestaltet sich oft nicht so einfach, da die handelsüblichen Pferdeanhänger größentechnisch für die Anforderung des Reitsports und nicht für Polizeieinsätze und schon gar nicht für mehrtägige ausgelegt sind. Bei Mehrtageseinsätzen ist ein Begleitfahrzeug unverzichtbar.

Einsatztaschen, Körperschutzausstattungen, Einsatzhelme  und Einsatzkiste mit RSG, Feuerlöscher, Erste Hilfe Materialien für Reiter und Pferd und pferdespezifischen  Ersatzmaterialien werden in die Fahrzeuge eingeladen.

Wenn alle Gespanne abfahrtbereit im Hof stehen,  wird durch den/die Truppführer/in mit dem Trupp noch der Einsatz besprochen, bevor die Pferde in die Pferdeanhänger verladen werden.

Im Verband geht es dann zum Meldeort. Auch hier stehen wieder diverse Tätigkeiten an, bevor es mit den Pferden in den eigentlichen Einsatzraum geht. Je nach Lageentwicklung muss sehr schnell die Einsatzbereitschaft hergestellt werden. Dazu gehören das Abladen, Satteln und Trensen der Pferde. Die Beamtinnen/Beamte müssen sich ihre Körperschutzausstattung anziehen. Reicht die Zeit noch, werden die Pferdeanhänger gleich ausgefegt.

Wird im  Einsatz, zum Beispiel in der Spielphase beim Fußball, zu den Hängern zur Ver- und Entsorgung verlegt, steht das Dienstpferd wieder an erster Stelle, bevor der Einsatzreiter/in selbst einen Blick in den Verpflegungsbeutel werfen kann. Die Pferde werden abgetrenst, die Sattelgurte gelockert und die Futterbeutel aufgezogen. Wasser wird bereitgestellt. Die Pferde pausieren  in den Anhängern bevor es in der Nachspielphase wieder  in den Einsatzraum geht.

Nach Einsatzende gilt es wieder abzusatteln, um dann auf die Dienststelle zurückzukehren. Nicht selten haben die Polizeireiter/innen dann bereits schon 10 Stunden Einsatzzeit hinter sich. Und auf der Dienststelle erwartet sie wiederum nochmals Arbeit. Denn nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz. Nachdem die Pferde in ihre Boxen gebracht, abgebürstet und Hufe ausgekratzt sind (wichtig, da sich während des Einsatzes gefährliche Fremdkörper im Huf verklemmen können) ist die Reinigung der Ausrüstungsgegenstände an der Reihe. Das heißt Sattelzeug, Trensen und  Gamaschen werden geputzt und verstaut, damit alles wieder sofort einsatzbereit ist. Die Anhänger werden grob gereinigt, denn auch Pferde entsorgen. Auch in der Einsatznachphase gilt es alles in einer Stunde und 15 Minuten abzuarbeiten. Ist alles erledigt und das Licht im Stall gelöscht, müssen noch die administrativen schriftlichen Arbeiten erledigt werden, bevor die Beamtinnen/Beamte Feierabend machen und die Heimfahrt antreten können. Diese ist bei einigen von ihnen nicht kurz, da sie aus weiten Teilen Hessens kommen. Sie nehmen aber die Fahrtstrecken in Kauf, weil sie bei aller Anstrengung die der Job mit sich bringt gerne Polizeireiter/innen sind.

 

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