Dienststellen | 
Dienststellen > Hessisches Landeskriminalamt > Forschung > Projekt "Mehrfach- und Intensivtäter (MIT) in Hessen" - Basisbericht -

Projekt "Mehrfach- und Intensivtäter (MIT) in Hessen" - Basisbericht -

Druckansicht - öffnet ein neues Fenster

Mit dem Ende Oktober 2007 fertig gestellten PDF-Symbol (836,83 KB) 2 rote Pfeile Basisbericht stellt die Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle (KKFoSt) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kriminologie (IfK) der Universität Tübingen die grundlegenden Ergebnisse auf deskriptiver Ebene vor, die auf den bisherigen Projektmodulen "Aktenauswertung" und "Experteninterviews" basieren. Dieser Bericht stellt eine integrierte und systematisierte Aufbereitung der Thematik auf Basis einer Vollerhebung von MIT in Hessen zum Stichtag 31.07.2006 dar. In Hessen ist der Umgang von Justiz und Polizei mit Mehrfach- und Intensivtätern derzeit durch die 2002 in Kraft getretenen "Gemeinsamen Richtlinien zur Strafverfolgung von Mehrfach-/Intensivtäterinnen und Mehrfach-/Intensivtätern insbesondere im Bereich der Massen-/Straßenkriminalität" geregelt.

Foto einer männlichen Person mit Handschellen
Foto einer männlichen Person mit Handschellen

Neben einer Einführung in die Thematik unter Bezug auf deutsche und internationale Studien liefert der Bericht einen verdichteten und systematisierten Überblick über die umfangreichen Erkenntnisse, die vor Ort in Hessen bei der Polizei und der Justiz über Mehrfach- und Intensivtäter vorhanden sind. Die Grundlage dafür bilden zunächst die Kriminalakten und Sonderordner, die zu jedem MIT existieren. Darüber hinaus kommen der persönliche Erfahrungshorizont und das Alltagswissen der mit diesem Personenkreis befassten Beamten unterschiedlicher Verantwortungsebenen aus polizeilichen und justiziellen Kreisen zum Tragen, mit denen Experteninterviews durchgeführt wurden.

Bei der bisherigen Datenanalyse stand die Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den MIT als Person und als Straftäter in Abhängigkeit von Geschlecht, Alter, Bildung, Ethnie sowie weiteren Merkmalen (wie z.B. der familiären Aufwachssituation) im Zentrum. In Teilbereichen, insbesondere z.B. bei der Deliktstruktur, waren auch regionale Vergleiche auf Ebene der Polizeipräsidien möglich.

Der Basisbericht liegt derzeit dem Kuratorium der KKFoSt vor, das über den weiteren Umgang mit dem Bericht entscheidet. Eine Publikation des Textes unterliegt darüber hinaus dem Entscheidungsvorbehalt des HMdIS.

Die KKFoSt befasst sich unterdessen mit einer vertiefenden Analyse der gewonnenen Daten unter Verwendung multivariater Analyseverfahren der empirischen Sozialforschung. Ferner werden derzeit im Rahmen eines weiteren Projektmoduls 12 qualitative Interviews mit inhaftierten MIT durchgeführt. Somit wird also nicht nur über, sondern auch mit den MIT - sozusagen als "Experten in eigener Sache" - gesprochen. Die so gewonnenen Daten sollen zu den Ergebnissen der Aktenauswertung und Experteninterviews mit Justiz und Polizei in Beziehung gesetzt werden und in den Bericht über die vertiefenden Analysen einfließen. Dieser Bericht, der eine Weiterentwicklung des derzeitigen Basisberichts sein wird, wird voraussichtlich im Frühjahr 2008 vorliegen. Darin sollen die zentralen Ergebnisse des Projekts dargestellt und - über die deskriptive Ebene hinaus - Zusammenhänge, Muster, Typen, Maßnahmen und relevante Ermittlungsansätze aufgegriffen werden. Neben der praktischen Relevanz für die Polizei sollen die Ergebnisse auch dazu beitragen, unter wissenschaftlicher Perspektive den kriminalistisch-kriminologischen Erkenntnisstand weiter zu befördern.

2 rote Pfeile nach oben

In Ergänzung des Projekts sollen im Verlauf des Jahres 2008 im Rahmen der Fortführung der Kooperation mit dem IfK der Universität Tübingen weitere 50 leitfadengestützte Tiefeninterviews mit MIT geführt werden, um die Informationslage über diese Täterklientel zu vertiefen und zu ergänzen. Die zuvor geführten 12 Täterinterviews können aufgrund der geringen Anzahl nur illustrativen Charakter haben. Schwerpunktmäßig sollen die Aspekte herausgearbeitet werden, die bisher durch die Aktenanalyse und die Experteninterviews nicht in hinreichender Klarheit erhoben werden konnten.

In einem abschließenden Bericht, der im Winter 2008/2009 fertig gestellt sein wird, werden die wesentlichen Befunde der quantitativen Auswertungen, der bisherigen qualitativen Interviews sowie der zusätzlichen Täterinterviews aus dem Erweiterungsmodul dargestellt.

Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen der Polizeipraxis wissenschaftlich fundierte Hinweise und Anregungen für die Verbesserung von Präventionsprogrammen sowie die Entwicklung spezieller Kriminalitätsbekämpfungsstrategien an die Hand geben.

13.01.2009 / LWR / sl