Dienststellen | 
Dienststellen > Präsidium für Technik, Logistik & Verwaltung > Aufgaben > Funknetze, Digitalfunk > Polizeiliche Leitstellen in Hessen – Austausch erfolgreich abgeschlossen

Polizeiliche Leitstellen in Hessen – Austausch erfolgreich abgeschlossen

Druckansicht - öffnet ein neues Fenster

Blick in eine Leitstelle der hessischen PolizeiGerüstet für den Digitalfunkg und bereit für die Notrufregionalisierung

Mittlerweile verfügen nahezu alle Leitstellen in den hessischen Polizeipräsidien über die neueste Technik und das über das entsprechende Mobiliar. (Ausgenommen davon ist das Polizeipräsidium Südosthessen, das voraussichtlich 2014 bis 2015 einen Neubau bezieht und dann neu ausgestattet wird). Die Polizei betreibt in Hessen somit Leitstellen der neuesten Generation, die alle technisch einheitlich ausgerüstet sind

Die besondere Herausforderung in diesem Projekt lag darin, parallel zum Echtbetrieb der bestehenden Leitstellen die neuen Anlagen effizient und reibungsfrei aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Dazu wurde die Technik in den sieben Leitstellen, unabhängig vom bestehenden laufenden System – installiert und testweise in Betrieb genommen. Nach erfolgreichem Testlauf wurde der Betrieb geschwenkt und die gesamte Anlage komplettiert. Klar, dass dies eine besondere Projektkoordination und Logistik erforderte, entscheidend war dabei, das benötigte Wissen und die gewonnenen Erfahrungen zum richtigen Zeitpunkt zwischen den Einzelprojekten zu transferieren. Letztlich konnten so eine einheitliche Vorgehensweise eingehalten und im gleichen Zuge identische Funktionalitäten an allen Standorten gewährleistet werden. Kein leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass die Leitstellen zu Beginn des Projekts noch mit Systemen unterschiedlicher Hersteller ausgestattet gewesen waren.

Zu allen Phasen pflegte das Projekt Leitstellen Polizei einen sehr engen und direkten Kontakt zu den Präsidien, die so jederzeit mitentscheiden konnten und in die technische Ausgestaltung der Leitstellen vor Ort eingebunden waren. Denn eines liegt hier auch auf der Hand: Auch wenn Technik und Ausstattung weitestgehend standardisiert sind, so hat jede Leitstelle ihre Eigenheiten. Auch diese wurden zusammen mit den Präsidien festgestellt und in die neue Technik integriert.

Typischer Arbeitsplatz in einer Leitstelle der hessischen PolizeiDie neue Leitstellentechnik ist nun komplett auf VoIP-Technik (VoIP = voice over IP) umgestellt. Das bedeutet, dass alle angeschlossenen Kommunikationsmittel auf IP-Technik geschaltet wurden und somit an allen Arbeitsplätzen zur Verfügung stehen. Diese IP-Technologie ermöglicht die Vernetzung von Kommunikations-anlagen und Leitstellen über IP und S2M. Vorteil dabei: Leitstellentechnik und Arbeitsplätze müssen sich nicht mehr zwangsläufig an einem Ort befinden. Von allen Arbeitsplätzen eines Netzwerkes kann also beispielsweise auf die Ressourcen einer oder mehrerer Leitstellen zugegriffen werden.

Grundsätzlich werden die Leitstellen jeweils mit eigener lokaler Leitstellentechnik ausgestattet, so dass sie autark arbeiten können. Bei Bedarf kann jedoch die Leitstellenfunktionalität einer Dienststelle komplett durch eine andere Leitstelle übernommen werden. Dies betrifft insbesondere die Übernahme von Notrufen bei Ausfall der Notrufannahme oder bei Überlauf sowie die Einsatzübernahme bei Ausfall der Funkkomponenten und die Zusammenarbeit bei überregionalen oder großen Einsatzlagen.

Basis zur Vernetzung der Leitstellen zu einem Leitstellenverbund ist in Hessen ein MPLS-Netzwerk, das dem Verbund eine gesicherte Plattform zur Verfügung stellt. Die einheitliche Bedienoberfläche der Leitstellentechnik garantiert dabei, dass ein Leitstellendisponent seine gewohnten Arbeiten von jedem Leitstellenarbeitsplatz in Hessen durchführen kann. Dieses Szenario kann z. B. insbesondere bei Ausfall oder Räumung/Evakuierung einer Leitstelle zum Tragen kommen.

Bei der Auswahl und Gestaltung der Leitstellenräumlichkeit und des Mobiliars wurde großer Wert auf Ergonomie und Funktionalität gelegt, denn in den Leitstellen müssen die Arbeitsplätze vielen unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. Aber nicht nur Ergonomie und Funktionalität im Sinne der Menschen, die in den Leitstellen arbeiten, sind entscheidend. Die Qualität der verwendeten Materialien und das Design spielen eine ebenso wichtige Rolle. So sind sowohl die Grundelemente wie auch die Pultaufsätze modular aufgebaut. Bei der farblichen Gestaltung der Verkleidungen und Abdeckplatten wurden die örtlichen Gegebenheiten sowie die Wünsche der Präsidien berücksichtigt.

Dem Wunsch nach Individualität entspricht auch die frei wählbare Arbeitsplatzhöhe. Der Leitstellenarbeitsplatz kann zwischen 72 und 110 Zentimetern elektrisch höhenverstellt werden. So kann auch problemlos stehend gearbeitet werden – Synchronmotoren bringen den gesamten Tisch auf die gewünschte Höhe. Die Höhe und der Abstand der vier bis sechs vorhandenen Monitore lassen sich ebenfalls elektrisch verstellen.

Überblick: Einbindung der Leistellenbedienplätze im IP-Netzverbund der hessischen Polizei

In Hessen wird sukzessive am Aufbau des bundesweit einheitlichen digitalen Sprechfunks (TETRA) gearbeitet. In einem Übergangs- und Migrationszeitraum – d. h. bis der TETRA-Sprechfunk komplett ausgerollt und einsatzfähig ist – werden immer noch analoge Funknetze und Geräte parallel zum Digitalfunk genutzt werden und damit zunächst weiter Bestandteil der polizeilichen Kommunikation sein. Die von Eurofunk Kappacher bereitgestellten Lösungen sind natürlich schon für eine Integration in den TETRA-Funk vorbereitet. Eine zertifizierte Anschaltung an die Vermittlungsstelle des Digitalfunknetzes ist verfügbar.
Zur Qualitätssicherung wird ein Test- und Vorproduktivsystem installiert. Auf dieser Plattform werden unter anderem neue SW-Versionen und Patches überprüft. Nach erfolgreich durchgeführten Tests werden die neuen Funktionen künftig landesweit verteilt und somit sicher in die Leitstellenlandschaft ausgerollt.  

Zu diesem Thema übrigens noch einige interessante Daten:

  • Insgesamt wurden 45km Datenkabel und 2,5 Kilometer Stromkabel verlegt
  • Für alle Arbeitsplätze wurden insgesamt ca. 3,5 Tonnen Stahl und 3,8 Tonnen Holz sowie 6,8 Tonnen Einbau-/Kompaktplatten und 5,4 Tonnen Aluprofile verwendet
  • Damit alles schön zusammenhält, wurden ca. 110.000 Schrauben und Muttern verarbeitet

 

PTLV | anp | Quelle: O. Skronn, P 2 | 07.05.2013